Rugby-Regeln einfach erklärt, vom Versuch bis zur Roten Karte
Vom Versuch bis zur 20-Minuten-Roten-Karte erklären wir die Regeln des 15er-Rugby so, dass du beim ersten Spiel jeden Pfiff verstehst. Wo das 7er-Rugby anders läuft, steht es dabei.

Rugby sieht beim ersten Zuschauen aus wie ein Durcheinander aus Körpern, Pfiffen und Haufen am Boden. Dahinter steht ein Regelwerk des Weltverbands World Rugby mit 21 Kapiteln, das auch in jeder deutschen Liga gilt. Dieser Text erklärt das 15er-Rugby (Rugby Union), wie es in der Bundesliga, im Six Nations und bei Weltmeisterschaften gespielt wird. Wo das 7er-Rugby abweicht, steht es dabei. Mehr zu den beiden Varianten liest du in Was ist 15er-Rugby? und Was ist 7er-Rugby?.
Fünf Dinge für dein erstes Spiel
Für dein erstes Spiel reicht diese Liste:
- Das Ziel ist der Versuch. Eine Mannschaft trägt den Ball hinter die gegnerische Mallinie und drückt ihn dort auf den Boden. Das bringt 5 Punkte.
- Gepasst wird nur nach hinten oder quer. Nach vorn kommt der Ball nur durch Laufen oder Kicken. Ein Pass nach vorn heißt Vorpass und wird abgepfiffen.
- Wer mit dem Ball zu Boden gebracht wird, muss ihn sofort freigeben. Daraus entstehen die Haufen, in denen beide Seiten um den Ball kämpfen.
- Nach kleinen Fehlern geht es mit einem Gedränge weiter, nach einem Ball im Seitenaus mit einer Gasse. In beiden Fällen ringen die Stürmer um den Ball.
- Bei schwereren Verstößen gibt es einen Straftritt (Penalty). Die Mannschaft kann dann auf die Stangen schießen, den Ball ins Aus kicken oder sofort weiterspielen.
Spielfeld und Malfeld
Das eigentliche Spielfeld ist zwischen den beiden Mallinien 94 bis 100 Meter lang und 68 bis 70 Meter breit. Hinter jeder Mallinie liegt das Malfeld (in-goal), je nach Platz 6 bis 22 Meter tief. Nur dort zählt ein Versuch. Auf der Mallinie stehen die Stangen in H-Form.
Merk dir neben der Mittellinie vor allem die beiden 22-Meter-Linien. Aus der eigenen 22 darf eine Mannschaft direkt ins Seitenaus kicken und gewinnt damit Raum. Von weiter vorn muss der Ball vorher im Feld aufspringen, sonst geht es auf Höhe der Stelle weiter, an der gekickt wurde. Deshalb setzen so viele Kicks kurz vor der Seitenlinie auf.
So entstehen Punkte
- Versuch (try), 5 Punkte: Ein Angreifer legt den Ball als Erster im gegnerischen Malfeld ab. Er muss ihn mit Hand oder Arm auf den Boden drücken oder mit dem Oberkörper zwischen Hals und Taille darauf fallen.
- Erhöhung (conversion), 2 Punkte: Nach jedem Versuch darf die Mannschaft auf die Stangen kicken. Gekickt wird auf Höhe der Stelle, an der der Versuch fiel. Darum laufen Spieler nach einem Durchbruch gern noch bis unter die Stangen.
- Straftritt, 3 Punkte: ein Kick auf die Malstangen nach einem Regelverstoß des Gegners.
- Dropgoal, 3 Punkte: Ein Spieler lässt den Ball aus dem laufenden Spiel fallen und kickt ihn direkt nach dem Aufprall über die Querlatte (Dropkick).
- Strafversuch (penalty try), 7 Punkte: Verhindert der Gegner mit einem Foul einen wahrscheinlichen Versuch, gibt der Schiedsrichter 7 Punkte. Eine Erhöhung entfällt.
Für die Erhöhung hat der Kicker nur begrenzt Zeit, im Spitzenrugby zählt eine Uhr im Stadion (shot clock) herunter. Im 7er-Rugby wird jede Erhöhung als Dropkick ausgeführt, innerhalb von 30 Sekunden.
Vorpass und Vorball
Ein Pass darf nur nach hinten oder parallel zur Mallinie gehen, sonst ist es ein Vorpass (forward pass). Ein versehentlicher Vorpass führt zu einem Gedränge für den Gegner. Wer absichtlich nach vorn wirft, kassiert einen Straftritt.
Beim Vorball (knock-on) prallt der Ball von Hand oder Arm nach vorn und berührt den Boden oder einen anderen Spieler, bevor der Spieler ihn wieder fängt. Auch hier folgt ein Gedränge für den Gegner. Eine Ausnahme gilt beim Blocken eines Kicks (charge-down). Springt der Ball dabei nach vorn, läuft das Spiel weiter. Schlägt ein Verteidiger den Ball absichtlich nach vorn, gibt es einen Straftritt und häufig Gelb.
Tackling, Ruck und Paket (Paket)
Nur der Ballträger darf gestoppt werden. Ein Tackle liegt vor, wenn er gehalten und zu Boden gebracht wird, wobei schon ein Knie am Boden zählt. Im Spitzenrugby muss der Kontakt unterhalb der Schulterlinie liegen. Im Breitensport gilt eine tiefere Grenze. Jeder nationale Verband, in Deutschland also der Deutsche Rugby-Verband, wählt dafür entweder die Taille oder das untere Ende des Brustbeins. So sollen weniger Kopfverletzungen passieren.
Der Tackler lässt danach los und rollt weg. Der Getackelte legt den Ball sofort ab oder passt ihn, und zwar nicht nach vorn. Mitspieler und Gegner, die dazukommen, müssen von ihrer eigenen Seite kommen und auf den Beinen bleiben. Ein Verteidiger, der stehend schnell genug die Hände an den Ball bekommt, darf ihn erobern. Dafür jubeln Fans fast so laut wie für einen Versuch.
Sobald je ein Spieler beider Teams stehend über dem Ball aneinandergerät, wird daraus ein Ruck. Ab jetzt sind Hände verboten. Der Ball darf nur noch mit den Füßen nach hinten geschoben werden, bis der Gedrängehalb (scrum-half) ihn aufnimmt. Ist der Ball klar gewonnen, ruft der Schiedsrichter „use it“, und die Mannschaft hat 5 Sekunden, um ihn zu spielen.
Bleibt der Ballträger dagegen auf den Beinen und wird von mindestens einem Gegner gehalten, während sich ein Mitspieler an ihn bindet, entsteht ein Paket. Das Paket muss sich in Richtung Mallinie bewegen. Steht es still, ruft der Schiedsrichter ebenfalls „use it“. Kommt der Ball nicht heraus, gibt es ein Gedränge für die Mannschaft, die zu Beginn des Pakets nicht im Ballbesitz war. Viele Versuche fallen, wenn Stürmer nach einer Gasse kurz vor der Mallinie den Ball als Paket über die Linie schieben.
Abseits
Im offenen Spiel steht abseits, wer vor dem Mitspieler steht, der den Ball trägt oder zuletzt gespielt hat. Allein dafür gibt es noch keinen Pfiff. Bestraft wird, wer aus dieser Position ins Spiel eingreift oder bei einem Kick nicht sofort zurückgeht. Spieler vor dem Kicker müssen sich hinter einen Mitspieler zurückziehen, der nicht abseits steht, oder 10 Meter Abstand zu der Stelle halten, an der der Ball landet.
Nur eigene Mitspieler können einen Spieler vor dem Kicker wieder ins Spiel bringen. Das war nicht immer so: Bis Juli 2024 genügte es auch, wenn ein Gegner mit dem Ball 5 Meter lief oder passte. Weil der Franzose Antoine Dupont diese Lücke besonders geschickt nutzte, sprach man von der „Dupont-Regel“. Im Six-Nations-Spiel zwischen Schottland und Frankreich 2024 blieben ganze Spielerreihen in der Feldmitte stehen, während sich Thomas Ramos und Finn Russell den Ball immer wieder zukickten.
Bei Ruck und Paket verläuft die Abseitslinie durch den hintersten Fuß der beteiligten Spieler. Beim Gedränge warten die übrigen Spieler 5 Meter dahinter, bei der Gasse 10 Meter entfernt.
Gedränge und Gasse
Das Gedränge folgt auf kleine Fehler wie Vorpass oder Vorball. Je acht Stürmer binden sich aneinander, vorn stehen zwei Props und der Hakler. Auf die Kommandos „crouch“, „bind“ und „set“ setzen die Reihen an. Der Gedrängehalb der Mannschaft mit Einwurf rollt den Ball gerade in den Tunnel zwischen den Reihen, und der Hakler versucht, ihn mit dem Fuß nach hinten zu angeln. Beide Teams haben 30 Sekunden, um das Gedränge aufzustellen. Auf allen Ebenen ist der sogenannte Bremsfuß Pflicht. Der Hakler stellt vor dem Ansetzen einen Fuß nach vorn, damit das Gedränge beim Ansetzen stabil bleibt, und zieht ihn bei „set“ zurück.
Die Gasse (lineout) folgt, wenn der Ball ins Seitenaus geht. Einwerfen darf die Mannschaft, die den Ball nicht ins Aus gebracht hat. Eine Ausnahme gilt nach einem Straftritt. Kickt eine Mannschaft nach einem Pfiff zu ihren Gunsten ins Aus, wirft sie selbst ein. Beide Teams stellen mindestens zwei Spieler in eine Reihe, die Mitspieler dürfen den Springer hochheben. Der Ball muss gerade zwischen die Reihen geworfen werden und mindestens die 5-Meter-Linie erreichen. Auch hier sind 30 Sekunden zum Aufstellen vorgesehen.
Straftritt, Freitritt und Vorteil
Den Straftritt gibt es etwa für Abseits, Hände im Ruck und Foulspiel. Der Gegner muss sofort 10 Meter zurückgehen. Die Mannschaft hat dann vier Möglichkeiten: einen Kick auf die Malstangen, einen Kick ins Seitenaus mit eigenem Einwurf, ein schnelles Antippen mit dem Fuß und Weiterlaufen oder ein Gedränge. Kurz vor der gegnerischen Mallinie entscheiden sich viele Kapitäne gegen die 3 sicheren Punkte und für die Gasse, weil daraus oft ein Paket und ein Versuch werden.
Der Freitritt (free kick) ahndet kleinere, meist technische Fehler, zum Beispiel ein zu langsam aufgestelltes Gedränge. Aus einem Freitritt kann nicht direkt auf die Malstangen geschossen werden.
Oft pfeift der Schiedsrichter nicht sofort. Er streckt den Arm in Richtung der benachteiligten Mannschaft und lässt Vorteil (advantage) laufen. Gewinnt sie daraus Raum oder eine gute Chance, ist der Fehler erledigt. Bringt der Vorteil nichts, geht es zurück an die Stelle des Verstoßes. Deshalb wagen Teams in dieser Phase gern einen Kick quer übers Feld, denn misslingt er, bleibt ihnen der Straftritt.
Karten
Die Gelbe Karte bedeutet 10 Minuten Pause. Seine Mannschaft spielt so lange zu vierzehnt. Wer zwei Gelbe Karten in einem Spiel bekommt, fliegt vom Platz.
Die Rote Karte schließt den Spieler für den Rest des Spiels aus. Im Spitzenrugby gibt es eine Abstufung. War das Foul weder absichtlich noch besonders gefährlich, darf die Mannschaft nach 20 Minuten Spielzeit einen Ersatzspieler bringen. Der ausgeschlossene Spieler selbst kommt nicht zurück. Bei absichtlichen oder sehr gefährlichen Fouls bleibt die Mannschaft bis zum Schluss in Unterzahl. Im Amateurrugby bleibt dagegen eine Rote Karte eine Rote Karte. Im 7er-Rugby dauert die Gelbe Karte nur 2 Minuten.
Ankick, Spielzeit und Wechsel
Jede Halbzeit beginnt mit einem Dropkick von der Feldmitte, der mindestens die 10-Meter-Linie des Gegners erreichen muss. Nach Punkten stößt im 15er-Rugby die Mannschaft an, die die Punkte kassiert hat. Im 7er-Rugby ist es umgekehrt. Landet der Ankick zu kurz oder direkt im Aus, darf der Gegner wählen, etwa ein Gedränge in der Mitte.
Ein Spiel dauert 2 mal 40 Minuten, die Pause höchstens 15 Minuten. Verletzungspausen werden nachgespielt. Eine Halbzeit endet erst, wenn der Ball nach Ablauf der Zeit tot ist. Solange ein Team ihn fehlerfrei hält, darf es nach der Sirene weiter angreifen. Im 7er-Rugby dauert ein Spiel 2 mal 7 Minuten.
Auf dem Feld stehen je 15 Spieler. Dazu kommen bis zu 8 Ersatzspieler. Wer ausgewechselt ist, bleibt draußen. Ausnahmen gelten für Blutwunden, den Kopfverletzungstest (HIA) und die Erste Reihe, weil ein Gedränge nur mit ausgebildeten Props und Haklern sicher ist.
Schiedsrichter, Videobeweis und Respekt
Der Schiedsrichter entscheidet allein über Tatsachen und Regeln. Zwei Linienrichter zeigen Seitenaus und erfolgreiche Kicks an und dürfen Fouls melden. Im Spitzenrugby kommt der Videoschiedsrichter (TMO, Television Match Official) dazu. Er prüft, ob ein Ball sauber abgelegt wurde, ob vor einem Versuch ein Fehler passiert ist und ob ein Foul eine Karte verdient. Seine Rolle ist im Regelwerk festgelegt.
Respekt vor dem Schiedsrichter steht im Rugby sogar im Regelwerk. Es schreibt vor, dass Spieler seine Autorität achten und seine Entscheidungen nicht anzweifeln, sonst gibt es einen Straftritt. Üblich ist, dass nur die Kapitäne mit dem Schiedsrichter sprechen, und das in ruhigem Ton. In deutschen Vereinen pfeifen fast nur Ehrenamtliche, viele davon frühere Spieler. Ohne sie findet kein Ligaspiel statt. Wer also am Spielfeldrand den Schiedsrichter beschimpft, schadet dem eigenen Sport.
Das beste Training für die Regeln ist ein Besuch beim Verein in deiner Nähe, ob als Zuschauer am Samstag oder beim Probetraining. Wie das Spiel zu seinen Regeln gekommen ist, erzählt unsere Geschichte des Rugby.
Quellen
- World Rugby · Laws of the Game: Laws by number (Law 1 bis 21) ↗
- World Rugby · Law 8: Scoring ↗
- World Rugby · Law 9: Foul play ↗
- World Rugby · Law 10: Offside and onside in open play ↗
- World Rugby · 2026-07 Law updates ↗
- World Rugby · 2025-07 Global Law Trial: 20-minute red card replacement ↗
- RugbyReferee.net · Laws updated from 1 July ↗
- World Rugby · Law amendments promoting speed, space and contest get global trial go-ahead ↗
- The Scotsman · Why rugby is bidding farewell to Dupont's Law and the crocodile roll ↗
- RugbyPass · Lions Test series and Women's World Cup to use 20-minute red cards ↗
- rugby365 · Law differences: Sevens ↗
Dieser Text wurde mit Hilfe von KI erstellt.


