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Kobus Potgieter, der Trainer hinter dem 41:38 gegen Rumänien

Ein Südafrikaner kommt als Nachwuchstrainer nach Heidelberg, wird mit 31 Bundestrainer und führt Deutschland zu Siegen über Uruguay und Rumänien. Dann gerät er in den Streit zwischen Verband und Sponsor.

Von Lesezeit 6 Min.
Foto: KI-generierte Illustration

Als Marcel Coetzee am 11. Februar 2017 in Offenbach kurz vor dem Abpfiff den Versuch zum 41:38 gegen Rumänien legt, steht an der Seitenlinie ein 35-jähriger Südafrikaner. Kobus Potgieter ist zu diesem Zeitpunkt seit knapp vier Jahren Bundestrainer. Elf Monate später ist er den Posten los, ein halbes Jahr danach ist er wieder da und führt die Mannschaft bis zum WM-Repechage in Marseille. Wie Hans-Peter Wild mit seinem Geld das deutsche Rugby verändert hat, steht in unserem Text über Hans-Peter Wild und das deutsche Rugby. Hier geht es um den Trainer, der in Heidelberg aus diesem Geld eine Mannschaft gemacht hat.

Aus Kapstadt nach Heidelberg

Potgieter stammt aus Kapstadt und ist Jahrgang 1981. Nach Deutschland kam er nach eigenen Angaben gegenüber der englischen Wochenzeitung The Rugby Paper rund zehn Jahre vor 2018, um junge Spieler zu trainieren, und blieb. Über seine Zeit als Spieler und Trainer in Südafrika vor diesem Schritt ist öffentlich kaum etwas verlässlich belegt, deshalb lassen wir sie hier offen.

Sein Arbeitgeber in Heidelberg war die Wild Rugby Academy, die der Unternehmer Hans-Peter Wild im Oktober 2007 gegründet hatte. 2008 stellte die Akademie Management und Trainerstab neu und professioneller auf. Potgieter wurde Teil dieser Struktur, zunächst im operativen Bereich, später als sportlicher Leiter. Die Akademie beschäftigte Spieler in Vollzeit, die täglich trainierten und für den Heidelberger RK aufliefen. Der HRK wurde von 2010 bis 2015 sowie 2017 und 2018 Deutscher Meister. Potgieter trainierte den Klub und führte Besucher über die Anlage, etwa den Australier James Kent, der später selbst als Trainer in Frankreich arbeitete und das Treffen 2021 im Gespräch mit rugby.com.au beschrieb.

Assistent, dann Bundestrainer

Im Juli 2010 holte der Deutsche Rugby-Verband (DRV) Potgieter als Assistenten von Bundestrainer Torsten Schippe. Im April 2013 trat Schippe aus beruflichen Gründen zurück, Potgieter übernahm. Er war damals 31. Den Aufstieg in die oberste Division des European Nations Cup, den Schippe in der Saison 2012 bis 2014 eingeleitet hatte, brachte Potgieter zu Ende.

Eine Besonderheit prägte seine ganze Amtszeit. Bezahlt wurde Potgieter von Wilds Akademie, nicht vom Verband. Das sicherte der Nationalmannschaft einen Trainer in Vollzeit und Spieler, die wie Profis trainierten. Es band die sportliche Zukunft des Teams aber an das Verhältnis zwischen Sponsor und DRV.

Die erste große Prüfung kam am 24. Mai 2014 in Hamburg. In der Qualifikation für die WM 2015 lag Deutschland gegen Russland zwischenzeitlich vorn, verlor aber nach zwei späten russischen Versuchen 20:31. Russland zog in das Repechage ein, Deutschland war raus.

Spieler mit deutschen Wurzeln

Potgieter nutzte seine Kontakte in die Heimat. Für die Reise nach Brasilien im November 2015 mit zwei Testspielen in Blumenau und São Paulo standen sechs in Südafrika geborene Spieler im 27er-Kader. Darunter waren der Flanker Jaco Otto, früher Varsity-Cup-Spieler an der Nelson Mandela Metropolitan University, Verbinder Raynor Parkinson von der University of Johannesburg und der Zweite-Reihe-Stürmer Michael Poppmeier. Gegenüber rugby365 sagte Potgieter im November 2016 sinngemäß, die meisten Spieler kämen aus der deutschen Liga, man halte aber nach jedem mit deutschen Vorfahren Ausschau, besonders in Südafrika, wo er noch Kontakte habe (übersetzt).

Er warnte zugleich vor dem schnellen Weg. Einen Monat später sagte er The Rugby Paper, selbst der Klassenerhalt in der europäischen Spitzengruppe sei noch ein Berg. Die Mannschaft schnell mit im Ausland qualifizierten Spielern aufzufüllen, lehnte er ab.

Die besten Monate

Im November 2016 spielte Deutschland zum ersten Mal überhaupt gegen Uruguay. Am 13. November in Frankfurt lagen die Gäste, damals auf Platz 19 der Weltrangliste, nach 90 Sekunden vorn und bald 15:3. Christopher Hilsenbeck verwandelte kurz vor Schluss einen Straftritt zum 24:21. Deutschland stand auf Platz 26.

Drei Monate später folgte Offenbach. Rumänien führte zur Pause 24:20. Jaco Otto legte zwei Versuche, Parkinson erhöhte alle fünf und kam auf 16 Punkte, Coetzee machte den letzten Versuch. Die Zusammenfassung des Spiels zeigt World Rugby auf YouTube. Für Deutschland war es der erste Sieg gegen Rumänien seit 1972. Danach kletterte die Mannschaft bis auf Platz 22 der Weltrangliste, ihr bester Wert unter Potgieter. Für uns liegt ein Grund im Heidelberger Alltag. Ein Kern des Teams trainierte seit Jahren täglich zusammen, kannte die Abläufe und musste sie vor einem Länderspiel nicht erst in ein paar Lehrgangstagen lernen.

Im Sommer 2017 holte Potgieter den früheren englischen Nationalspieler Mouritz Botha als Berater für Gasse und Abwehr dazu. Über den früheren englischen Verbinder Toby Flood, bei dem eine Spielberechtigung für Deutschland im Gespräch war, sagte er im August 2017 bei ESPN, man würde ihn notfalls auch als Trainer gern ins System holen.

Streik, Absetzung, Rückkehr

Im Herbst 2017 zerbrach das Verhältnis zwischen Wild und dem DRV. Vor dem Test gegen Chile im November 2017 streikten bis auf einen alle der 45 besten deutschen Spieler, die bei der Akademie angestellt waren. Weil auch Potgieter Angestellter der Akademie war, fehlte er ebenfalls. Siebener-Trainer Vuyo Zangqa und der frühere Kapitän Clemens von Grumbkow betreuten eine Auswahl aus Amateuren, die 10:32 verlor.

Im Januar 2018 stellte der Verband ein neues Trainerteam vor, mit dem Australier Paul Healy als Director of Rugby und Pablo Lemoine aus Uruguay als Cheftrainer. Potgieter sagte damals The Rugby Paper, es sei schade, dass man ihnen den Teppich unter den Füßen weggezogen habe, kurz bevor es weiter in Richtung WM gegangen wäre. Den neuen Trainern wünschte er alles Gute (übersetzt). Lemoines Team verlor alle fünf Spiele der Rugby Europe Championship 2018.

Im Juni 2018 holte der DRV 14 der fehlenden Spieler und auch die Trainer zurück. Am 16. Juni schlug Deutschland in Heidelberg Portugal 16:13 und kam so in die Play-offs gegen Samoa. Potgieter, nun gemeinsam mit Lemoine verantwortlich, gab der Mannschaft laut Rugby World einen Satz auf Englisch mit: „Control the controllables.“ Gemeint war, sich nur um das zu kümmern, was das Team selbst in der Hand hat. In Apia verlor Deutschland 15:66. Potgieter sagte danach dem Samoa Observer, sein Team habe seinen Plan nicht umgesetzt. Das Rückspiel im Juli in Heidelberg ging 28:42 verloren, nachdem Deutschland knapp eine Viertelstunde vor Schluss noch 28:21 geführt hatte.

Für das Repechage im November 2018 in Marseille engagierte der Verband den Engländer Mike Ford als Cheftrainer. Potgieter wurde Director of Rugby der Männer-Nationalmannschaft und übernahm den Großteil der Medientermine, damit Ford sich auf den Spielplan konzentrieren konnte. Deutschland schlug Hongkong 26:9 und Kenia 43:6, verlor gegen Kanada 10:29 und verpasste die WM in Japan.

Paris und was bleibt

2019 holte Wild, inzwischen Eigentümer von Stade Français, Potgieter nach Paris, zunächst als Trainer im Nachwuchs. Laut dem französischen Portal Le Rugbynistère leitet er seit 2019 die Akademie des Klubs. Für die Saison 2025/26 führt Stade Français ihn als Directeur du Haut Niveau im Trainerstab um Paul Gustard.

Im deutschen Rugby sind seine Spuren konkret. Die HRK-Titel bis 2018 fallen in seine Heidelberger Jahre, der Sieg über Uruguay und das 41:38 über Rumänien in seine Zeit als Bundestrainer. Michael Poppmeier, 2015 in seinem Kader für Brasilien, stand am 8. Februar 2026 als Assistenztrainer neben Cheftrainer Mark Kuhlmann, als Deutschland Rumänien in Heidelberg 30:24 schlug. Wie es dazu kam, dass das deutsche Rugby so lange auf einen Sieg wie den von 2017 warten musste, erzählt unsere Geschichte des Rugby in Deutschland.

Quellen

  1. Wikipedia · Germany national rugby union team ↗
  2. rugby365 · South African flavour in Germany ↗
  3. Sport24 / News24 · Strong SA flavour in German touring squad ↗
  4. World Rugby · Russia survive scare to make repechage ↗
  5. rugby365 · Germany pull off shock win over Uruguay ↗
  6. ESPN · Germany coach Kobus Potgieter would welcome Toby Flood with open arms ↗
  7. The Rugby Paper · Healy heads new coaching team for Germany after axe falls on Potgieter ↗
  8. Rugby World · Germany face Samoa in Rugby World Cup qualifier ↗
  9. Samoa Observer · Coaches disappointed with loss ↗
  10. Americas Rugby News · Germany repechage preview (Ford, Potgieter) ↗
  11. rugby.com.au · James Kent: The Aussie helping to prepare the French ↗
  12. Le Rugbynistère · Le Stade Français muscle son organigramme ↗
  13. Stade Français Paris · Kobus Potgieter ↗
  14. Rugby Europe · Germany v Romania 2026 ↗
  15. Wikipedia · Liste der Test Matches der rumänischen Rugby-Union-Nationalmannschaft ↗

Dieser Text wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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