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Von Enniskillen nach Twickenham: die Geschichte des Frauenrugby

1887 legt ein Schulmädchen in Nordirland einen Versuch, 2025 sehen 81.885 Menschen das WM-Finale der Frauen. Wie sich das Frauenrugby weltweit und in Deutschland durchgesetzt hat.

Von Lesezeit 7 Min.
Foto: KI-generierte Illustration

Die erste Frau, von der wir sicher wissen, dass sie Rugby gespielt hat, war ein Schulmädchen in Nordirland. Bis Frauen bei einer Weltmeisterschaft vor über 80.000 Menschen auflaufen, vergehen danach fast 140 Jahre. Dazwischen liegen Verbote, verweigerte Plätze, selbst organisierte Turniere und viel Arbeit von Spielerinnen, die ihren Sport neben Job und Familie aufgebaut haben. Wer die Entwicklung des Spiels insgesamt nachlesen will, findet sie in unserer Geschichte des Rugby.

Die ersten Spuren

1887 spielt Emily Valentine an der Portora Royal School in Enniskillen mit ihren Brüdern und deren Mitschülern. Ihr Vater unterrichtet dort und ist stellvertretender Schulleiter. In einem Spiel fehlt den Jungen ein Mann, Emily springt ein, übernimmt zunächst den Platztritt, wechselt dann auf den Flügel und legt einen Versuch. Dass wir das wissen, liegt an ihr selbst: 1951 schrieb sie als ältere Frau Briefe an die Schule und schilderte darin ihre Zeit auf dem Platz. Der irische Verband und Ulster Rugby führen sie heute als früheste belegte Rugbyspielerin.

Vier Jahre später versucht Nita Webbe in Neuseeland, eine Frauenmannschaft für Vorführspiele aufzustellen. Im Juni 1891 sucht sie per Anzeige junge Frauen, die mit Erlaubnis der Eltern Football trainieren wollen. Geplant sind Spiele in Auckland und eine Tour. Konservative Kreise laufen Sturm, schon die geplante Kleidung mit Trikot und Kniebundhose gilt als anstößig. Nach allem, was überliefert ist, findet kein einziges Spiel vor Publikum statt.

Im Ersten Weltkrieg verschiebt sich etwas. Viele Männer sind an der Front, Frauen arbeiten in Fabriken und spielen für Wohltätigkeitszwecke Fußball und Rugby. Am 16. Dezember 1917 schlagen die Cardiff Ladies im Cardiff Arms Park die Newport Ladies mit 6:0. Unter den Spielerinnen ist die 16-jährige Mary Eley.

In Frankreich entsteht nach dem Krieg ein eigener Weg. Beim Pariser Club Fémina Sport trainieren ab 1920 Frauen die Barette, eine Variante ohne Tackling. In den 1920er-Jahren gibt es Meisterschaften, aus dem Jahr 1928 ist sogar Filmmaterial eines Spiels erhalten. Der französische Rugbyverband unterstützt das nicht, und in den 1930er-Jahren verschwindet die Barette wieder.

Jahrzehnte im Abseits

Danach wird es still. Über Jahrzehnte gibt es kaum belegte Frauenspiele im 15er-Rugby. Die Gründe sind dieselben wie in anderen Kontaktsportarten: Ärzte und Verbände halten das Spiel für gesundheitsschädlich, Clubs stellen keine Plätze zur Verfügung, und die Gesellschaft sieht Frauen nicht im Gedränge. Im deutschen Frauenfußball war das ähnlich, der DFB hob sein Verbot erst 1970 auf.

Neustart an Unis und in Toulouse

Der Neuanfang kommt aus den Hochschulen. 1962 gründet sich an der Universität Edinburgh die erste bekannte Frauenmannschaft im Vereinigten Königreich. In Frankreich stellen Schülerinnen und Studentinnen ab Mitte der 1960er-Jahre Teams auf. Am 1. Mai 1968 spielt Toulouse Fémina Sports vor Publikum, das ist das erste vollständig dokumentierte Clubspiel von Frauen. 1970 gründen Spielerinnen in Toulouse die Association Française de Rugby Féminin. In den USA spielen Anfang der 1970er-Jahre die ersten Universitätsteams.

Die Frauen organisieren sich dabei fast überall selbst, außerhalb der großen Verbände. In England, Wales und Irland übernimmt das ab Mitte der 1980er-Jahre die Women's Rugby Football Union, gegründet von jungen Spielerinnen am University College London. Erst später holen die nationalen Verbände den Frauensport unter ihr Dach, in Frankreich etwa 1989.

Länderspiele und eine WM in Eigenregie

Das erste Frauen-Länderspiel findet am 13. Juni 1982 in Utrecht statt. Der niederländische Verband feiert seinen 50. Geburtstag, Gast ist Frankreich. Nach einer torlosen ersten Halbzeit legt die Flügelspielerin Isabelle Decamp den einzigen Versuch, Frankreich gewinnt 4:0, damals zählte ein Versuch noch vier Punkte. Die Französinnen tragen keinen Hahn auf dem Trikot, weil der Frauensport noch nicht zum französischen Rugbyverband gehört.

1991 folgt die erste Weltmeisterschaft. Vier Frauen vom Richmond WRFC um Deborah Griffin organisieren sie in Wales, neben ihren Vollzeitjobs und ohne offizielle Unterstützung des Weltverbands IRB. Zwölf Nationen reisen an, darunter die Sowjetunion. Im Finale im Cardiff Arms Park schlagen die USA England mit 19:6. Drei Jahre später gewinnt England in Schottland, wieder gegen die USA.

Offiziell wird die WM erst 1998 in Amsterdam. Zum ersten Mal steht der IRB als Veranstalter dahinter, Neuseeland gewinnt das Finale gegen die USA mit 44:12. Die beiden Turniere von 1991 und 1994 erkennt der IRB erst 2009 rückwirkend an. Seit 2019 heißt das Turnier offiziell nur noch Rugby World Cup, ohne den Zusatz für Frauen, genau wie bei den Männern.

In Europa wächst parallel ein fester Wettbewerb. 1996 starten England, Irland, Schottland und Wales ein Home-Nations-Turnier, 1999 kommt Frankreich dazu. Später spielt Spanien mit, seit 2007 ist Italien dabei, damit gleicht das Women's Six Nations dem Turnier der Männer. England hat den Wettbewerb seitdem mit großem Abstand am häufigsten gewonnen.

Olympia, Profiverträge und volle Stadien

Einen großen Schub bringt das 7er-Rugby. 2016 in Rio ist es zum ersten Mal olympisch, Frauen und Männer mit gleich vielen Teams. Australien gewinnt das erste Frauenfinale gegen Neuseeland mit 24:17. In Paris 2024 holt Neuseeland mit einem 19:12 gegen Kanada sein zweites Olympiagold in Folge. Viele Länder fördern olympische Sportarten mit Staatsgeld, deshalb lohnt sich ein Frauen-7er-Programm für die Verbände seit der Aufnahme auch finanziell. Wie das kurze Spiel funktioniert, erklären wir in Was ist 7er-Rugby.

Im 15er-Rugby kommen die Profiverträge erst spät. Die englische RFU stattet ab Januar 2019 28 Spielerinnen mit Vollzeitverträgen aus, nachdem sie zwei Jahre zuvor viele Verträge gestrichen hatte. Andere Verbände ziehen nach, die Ligen in England und Frankreich professionalisieren sich schrittweise. 2023 führt World Rugby mit dem WXV einen Herbstwettbewerb in drei Leistungsstufen ein, der ab 2026 in neuer Form als Global Series weiterläuft.

Wie weit das Frauenrugby inzwischen ist, zeigt die WM 2025 in England. Über alle 32 Spiele werden rund 444.000 Tickets verkauft, dreimal so viele wie beim Turnier davor. Im Finale am 27. September 2025 in Twickenham schlägt England Kanada mit 33:13 und holt den dritten WM-Titel nach 1994 und 2014. 81.885 Menschen sehen zu, so viele wie nie zuvor bei einem Frauen-Rugbyspiel.

Frauenrugby in Deutschland

In Deutschland beginnt die Geschichte spät, aber sie beginnt in den Vereinen. Ab Mitte der 1980er-Jahre bilden sich Frauenteams, 1988 gibt es die erste deutsche Meisterschaft, ausgespielt als Turnier in Berlin. Der SC Neuenheim gewinnt vor dem RK Heusenstamm. Der Club aus Heidelberg ist mit 14 Titeln bis heute Rekordmeister, dahinter folgen der Heidelberger RK und der FC St. Pauli. Seit der Saison 1992/93 gibt es eine Frauen-Bundesliga im 15er-Rugby, seit 1999/2000 auch eine deutsche 7er-Meisterschaft.

Die Frauen-Nationalmannschaft gründet sich 1989. Nach nur zwei Lehrgängen bestreitet sie am 14. Oktober 1989 in West-Berlin ihr erstes Länderspiel und verliert gegen Schweden mit 0:8. Im ersten Kader stehen Spielerinnen aus sechs Vereinen, darunter BSV 92 Berlin, DRC Hannover, RK Heusenstamm und SC Neuenheim. Zweimal spielt Deutschland bei einer Weltmeisterschaft, 1998 in Amsterdam mit einem Sieg in fünf Spielen und Platz 14, 2002 in Spanien auf Platz 16. Danach fehlt dem Verband das Geld, das 15er-Team ruht über Jahre und bestreitet erst ab 2016 wieder regelmäßig Länderspiele. Heute spielt es im Rugby-Europe-Wettbewerb und liegt in der Weltrangliste um Platz 20.

Organisiert werden die Spielerinnen seit 2003 in den Deutschen Rugby-Frauen, einer eigenen Interessenvertretung innerhalb des Deutschen Rugby-Verbands. 2017 gründet sich in Hamburg zudem der Verein zur Förderung des deutschen Frauenrugby, der unter anderem Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter bei Turnieren und Physiotherapie bei Meisterschaften finanziert. Wie der Männer- und Vereinssport in Deutschland gewachsen ist, beschreiben wir in der Geschichte des Rugby in Deutschland.

Der Weg nach Los Angeles

Olympia ist für die deutschen 7er-Frauen bisher ein Ziel geblieben. 2019 in Kasan spielen sie beim europäischen Qualifikationsturnier für Tokio, das Ticket geht an England, das für Großbritannien antritt. Bei den Europaspielen 2023 in Krakau scheidet Deutschland im Viertelfinale mit 0:53 gegen Großbritannien aus und wird Sechster. Großbritannien gewinnt das Turnier und fährt nach Paris.

Der nächste Anlauf läuft. Die Europaspiele 2027 in Istanbul sind die europäische Qualifikation für Los Angeles 2028. Weil das Budget knapp ist, sammelt das Team unter dem Motto „Journey to the Olympics“ selbst Spenden, rund 25.000 Euro für die Reise zum Turnier in Dubai Ende November 2026. Was darüber hinaus zusammenkommt, soll in das Turnier in Hongkong im April 2027 und in zusätzliche Lehrgänge fließen. Die Organisatorinnen der ersten WM haben 1991 neben dem Job und ohne Geld vom Weltverband gearbeitet. 35 Jahre später bezahlt eine deutsche Nationalmannschaft ihre Turnierreisen per Crowdfunding.

Wer selbst anfangen will, findet in fast jeder Rugbystadt einen Verein mit Frauenteam, viele Clubs bieten offene Trainings an. Die Grundlagen dafür stehen in Rugby-Regeln einfach erklärt.

Quellen

  1. Ulster Rugby · The remarkable Emily Valentine ↗
  2. World Rugby Museum · The rise of the Black Ferns ↗
  3. World Rugby Museum · RFU150: The Women's Rugby Football Union ↗
  4. World Rugby · Nederlands Rugby Bond to honour trailblazers on 40th anniversary of first women's Test ↗
  5. World Rugby · Women's Rugby World Cup 1991: how historic tournament left lasting legacy ↗
  6. Wikipedia · Women's rugby union ↗
  7. ITV News · England's Red Roses beat Canada to win Women's Rugby World Cup ↗
  8. Wikipedia · Deutsche Rugby-Frauen ↗
  9. Wikipedia · Germany women's national rugby union team ↗
  10. Wikipedia · Rugby sevens at the 2023 European Games, women's tournament ↗
  11. Verein zur Förderung des deutschen Frauenrugby e.V. · Startseite ↗
  12. GoFundMe · Help Germany Women's 7s to Dubai7s (Journey to the Olympics) ↗

Dieser Text wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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