VAR was mit dem TMO?
Die Rugby-WM ist gestartet und natürlich wird während der WM auch über die Schiedsrichter gesprochen. Doch bislang sind die Diskussionen noch auf sehr ruhigem Niveau geführt worden. Bis auf drei Entscheidungen, die von Schiedsrichtern getroffen worden sind, sind die Leistungen bislang nicht angezweifelt worden. Zu den Schiedsrichter-Diskussionen gehört natürlich auch der Einsatz von technischen Hilfsmitteln. Seit 2001 gibt es den "Television Match Official" im Rugby bei internationalen Meisterschaften. Der TMO unterstützt den Schiedsrichter bei strittigen Situationen rund um gelegte Versuche bzw. wenn außerhalb des Sichtfelds Fouls begangen worden sind. Nach einigen Jahren Feintuning ist inzwischen die Akzeptanz bei Zuschauern und Fans sehr hoch. Ganz anders beim Fußball. Dort hat der VAR noch keine bzw. wenig Akzeptanz bei allen Beteiligten. Aber woran liegt das? Ist der TMO besser als der VAR? Was kann der Fußball vom Rugby lernen? Das diskutiert Moderator Andreas Thies mit Alex Feuerherdt von "Collinas Erben". Alex, selbst Schiedsrichter, erläutert, welche Entscheidungen per VAR getroffen werden, unter welchem Druck die Schiedsrichter stehen und ob "Folklore" es verhindert, dass der VAR kein besseres Standing hat.
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Transkript
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0:00 Gut, gut, gut, gut, gut. Vorpass, Vorpass Spezial, der Podcast zur Rugby-WM in Japan auf meinsportpodcast.de Die Rugby-WM läuft seit einigen Tagen sportlich auf einem richtig guten Niveau und auch mit dem Schiedsrichter gibt es kaum Ärger. Bis auf eine einzige Situation, als ein Tackle von Reece Hodge, dem Australier gegen Fiji, nicht mit einer roten Karte geahndet worden ist. Das ist bislang die größte Kontroverse mit den Schiedsrichtern bei der Rugby-Weltmeisterschaft. Davon träumen Fußball-Schiedsrichter so ein bisschen, weil wir sehen es in der Bundesliga und in der zweiten Bundesliga im Moment jedes Wochenende, gibt es jedes Wochenende Diskussionen und zwar sehr, sehr ausufernde. Um so ein bisschen dann jetzt auch mal den Unterschied zwischen dem TMO beim Rugby und dem Videoschiedsrichter beim Fußball aufzudröseln, aufzudröseln, habe ich mir einen ganz, ganz berühmten Mann dazu zur Hilfe geholt, nämlich Alex Feuerherd von unter anderem den Kolinas Erben.
1:00 Hallo Alex. Einen wunderschönen guten Tag. Alex, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Ja, herzlich gerne. Ich danke vielmals für die Einladung. Das ist ja für mich auch was Besonderes. Vielen Dank. Du hast mir im Vorgespräch erzählt, dass du eher ein Laie bist, was das Rugby angeht, aber dass du schon gehört hast, dass der Schiedsrichter eine relativ besondere Stellung hat beim Rugby, dass man mit ihm nicht diskutiert, dass nur der Kapitän mit ihm sprechen darf. Hättest du dir gewünscht, vor 30 Jahren mal zum Rugby rüber zu gucken? Ich weiß gar nicht, ob ich mir das unbedingt gewünscht hätte, aber es ist zumindest interessant zu erfahren, wie die Position, wie die Stellung, wie das Ansehen der Schiedsrichter in anderen Sportarten ist.
1:37 Und ich kann dir den Zusammenhang vielleicht auch kurz die Geschichte erzählen vom Mai dieses Jahres. Da war ich beim sechsten Forum Sportbewegung Niedersachsen auf dem Podium. Da ging es um das Thema Schiedsrichter zwischen Respekt und Anfeindung. Und diskutiert habe ich dort unter anderem mit Ralf Tietke, dem Präsident der Schiedsrichtervereinigung im Deutschen Rugbyverband. Ein ganz großartiger Mensch, wie ich fand. Der ist unter anderem vom Moderator gefragt worden, wie denn die Stellung der Schiedsrichter im Rugby ist. Ich bin auch gefragt worden, wie die Stellung der Schiedsrichter im Fußball ist natürlich. Und Ralf Tietke hat gesagt, er kommt im Rugby direkt hinter Gott. Da haben natürlich alle gelacht, anerkennend gelacht.
2:14 Ich habe dann auch gesagt, wow, großartig. Ich habe gesagt, bei uns kommt der direkt hinter dem Teufel im Fußball. Das markiert, glaube ich, so ein bisschen die Unterschiede. Beides möglicherweise ein bisschen übertrieben. Klar, aber ich glaube, da wird schon ganz deutlich, wo so ein bisschen die Differenzen auch liegen. Und was so das Ansehen der Schiedsrichter betrifft. Es ist schon auf jeden Fall so, dass es diverse Dinge im Rugby gibt, die würde ich mir für den Fußball auch wünschen. Soweit ich weiß, ist es im Rugby so, dass nur der Kapitän mit dem Schiedsrichter sprechen darf. Ich habe jetzt überhaupt nie ein Problem damit gehabt, auch mit anderen Spielern zu sprechen. Aber das kann schon auch Situationen geben, wo das ein großer Vorteil wäre, wenn man sagen könnte, hört mal, von euch redet einer mit mir und das ist euer Käpt'n und der Rest hält sich jetzt bitte mal bedeckt. Es ist ja auch so, dass dieses auf den Schiedsrichter zustürmen wirst du beim Rugby komplett niemals sehen, weil, wie gesagt, nur der Kapitän damit spricht, die Spieler müssen zuhören, die Spieler werden eventuell mal rangerufen, wenn sie einen Fehler gemacht haben oder wenn sie ein Vergehen begangen haben bei diesem Rugby und dann hören sie zu und dann nehmen sie die gelbe Karte hin oder was auch immer an Strafe kommt, aber sie werden kaum diskutieren.
3:15 Dieses ist eine Tradition, die es im Rugby seit über 100 Jahren gibt. Warum ist das so, ich sage jetzt mal, ausgeufert in den letzten Jahren und Jahrzehnten? Weil man hört dann ja auch immer wieder dann im Fußball von Übergriffen auf Schiedsrichter dann in den unteren Klassen. Ich glaube, das hat ganz viele Gründe. Du hast gerade das Thema Tradition benannt. Das gilt für den Fußball sicherlich in gewisser Weise auch. Das hat sich halt so entwickelt und die Regeln stehen dem im Prinzip natürlich nicht entgegen. Ich habe ja gerade eben schon gesagt, wenn es eben so ist, dass im Fußball im Prinzip alle mit dem Schiedsrichter reden dürfen und von den Regeln zumindest nicht vorgesehen ist, dass es Strafen gibt, wenn es andere tun, dann entsteht natürlich dann auch eine Situation, wo sich die Spieler sagen, na gut, es ist ja nicht verboten, also versuche ich das Ganze mal.
3:54 Vielleicht liegt es daran, dass die Schiedsrichter teilweise nicht konsequent genug gewesen sind. Vielleicht liegt es teilweise auch daran, dass das relativ wenig Akzeptanz erfahren würde, auch in der Öffentlichkeit, wenn die Schiedsrichter der Hertha durchgreifen würden. Das ist immer so eine Sache, die müsste man vielleicht auch mal einfach ausprobieren. Was wäre eigentlich, wenn die Schiedsrichter der Hertha durchgriffen? Wenn sie es tun, wie im unterklassigen Amateurfußball schon mal, wo das durchaus vorkommen kann, dass da Kollegen pfeifen, die jetzt vielleicht nicht mehr unbedingt alles sehen, aber sehr präsent sind, wenn es um das Thema Beschwerden geht. Solche Spiele ufern regelmäßig dann aus, auch wirklich in eine wahre Kartenflut, weil es dafür im Fußball auch einfach nicht die Akzeptanz gibt.
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4:27 Sowas müsste, glaube ich, wenn man es durchsetzen wollte, auch gut vorbereitet werden. Dann müsste man, glaube ich, sagen, sowas wie, nur ein Beispiel, wir wollen uns stärker am Rugby orientieren. Wir wollen, dass die Belagerung der Schiedsrichter, dass diese ständigen Grudelbildung bei Entscheidungen aufhören. Wir legen jetzt fest, mit dem Schiedsrichter spricht zunächst mal nur der Kapitän. Der Rest hat daneben zu stehen und wir greifen auch bei Protesten jetzt härter durch. Das wird dann vielleicht in der Anfangsphase natürlich einen Gewöhnungsprozess hervorrufen. Ein Gewöhnungsprozess, der dann daran besteht, dass alle akzeptieren müssen oder lernen müssen zu akzeptieren, dass es eben Strafen gibt, wenn andere mit dem Schiedsrichter sprechen und vor allem sich unsportlich verhalten.
5:04 Aber auf der anderen Seite, das klingt jetzt ein bisschen komisch, sicherlich aus dem Mund eines Schiedsrichters und Schiedsrichterausbilders, ist es vielleicht auch ein bisschen die Popularität des Fußballs und das gehört zur Popularität des Fußballs, dass da eben jeder irgendwie mitdiskutieren kann, dass das Regelwerk immer noch vergleichsweise einfach ist und dass die Schiedsrichter da allzeit gesprächsbereit sein müssen. Aber mir geht das teilweise auch viel zu weit und natürlich ist es dann auch elementarer Bestandteil der Schiedsrichterausbildung, den Unparteiischen beizubringen. Wie geht man eigentlich mit solchen Situationen um? Wie wird man ihnen Herr? Wie agiert man? Wie geht man vor?
5:39 auch wenn es dann dazu kommt, dass es irgendwie übertrieben ist. Und natürlich ist Akzeptanz einer der ganz wichtigen Punkte beim Fußball. Akzeptanz des Schiedsrichters über die originellen Regelkenntnisse hinaus, die er sich erarbeiten muss. Und bei richtig guten Schiedsrichtern kommt es dann auch zu deutlich weniger Protesten. Und da steht dann auch nicht mehr die halbe Mannschaft um ihn und umkreist ihn und umringt ihn und schimpft auf ihn ein und brüllt auf ihn ein. Also das kommt dann auch noch dazu. Aber ich denke sicherlich, dass das Regelwerk des Fußballs da auch eine Rolle dabei spielt, dass es eben so ist, wie es ist. Ein technisches Hilfsmittel, was es beim Rugby seit 2001 gibt und beim Fußball seit einigen Jahren, ist der Videoschiedsrichter bzw. im Rugby heißt er der TMO, der Television Match Official.
6:23 Der ist jetzt eingeführt worden und es gibt, ich habe es anfangs erwähnt, nur ganz, ganz selten wirklich große Diskrepanzen zwischen einer Entscheidung und der landläufigen Meinung, die es so gibt. Also wir haben dieses eine Foul angesprochen, was es im Spiel Australien gegen Fiji gegeben hat, wo ein Hightackle dann verpasst worden ist, auch vom Schiedsrichter sowie vom TMO. Aber ansonsten sind diese Schiedsrichterentscheidungen eigentlich die meiste Zeit sehr, sehr schlüssig. Es gibt einige Unterschiede zwischen dem TMO und dem Videoschiedsrichter, dem VAR, im Fußball. Und ich würde ganz gerne anfangen mit dieser einen Geschichte, dass der TMO im Rugby für zwei Dinge eingesetzt werden kann.
7:02 Und entweder wird eingesetzt, wenn ein Versuch, also die Parallele zum Tor, wenn es anerkannt werden soll, wenn es in irgendeiner Weise strittige Entscheidungen gab Richtung des Versuches, der gelegt worden ist. Ist der Ball auf dem Boden aufgekommen? Gab es vorher ein Foulspiel? Ist der Spieler vorher vielleicht über die Auslinie getreten? In dem Fall kann der TMO angerufen werden. Das andere Mal, wo der TMO eingreifen kann, ist, wenn in einer Spielsituation, die der Schiedsrichter nicht gesehen hat, es einen Foul gegeben hat, eine bestrafungswürdige Aktion. Das sind die beiden Aktionen, wo im Moment der TMO angerufen werden kann. Wann kann der VAR, der Videoschiedsrichter im Fußball, angerufen werden, beziehungsweise wann kommt der ins Spiel?
7:46 Da gibt es auf jeden Fall schon mal mehr Situationen als im Rugby. So viel kann man schon mal sagen. Es gibt im Wesentlichen vier spielrelevante Situationen, in denen der Videoassistent im Falle eines sogenannten klaren und offensichtlichen Fehlers des Schiedsrichters oder bei einem übersehenden Vergehen, das ist der andere Punkt, eingeschaltet wird, also indem der sich selbst einschaltet, indem der selbst eingreift. Das ist zunächst mal nach Toren. Also jede Torerzielung im Fußball wird automatisch vom Videoassistenten überprüft, nämlich daraufhin, ob es einen Verstoß der angreifenden Mannschaft gegeben hat. Logischerweise nicht der Verteidigung in der Mannschaft, wenn das der Fall wäre und es würde trotzdem ein Tor fallen, würde man ja sagen, okay, dann ist natürlich auch Vorteil entschieden worden.
8:23 Also hat es einen klaren und offensichtlichen Verstoß des angreifenden Teams gegeben bei der Torerzielung oder in der Angriffsphase, die zum Tor geführt hat, die der Schiedsrichter nicht erkannt hat. Wenn das der Fall ist, dann muss der Videoassistent eingreifen. Also Torerzielung ist Punkt 1. Punkt 2, glatt rote Karten. Jede glatt rote Karte wird vom Videoassistenten automatisch überprüft. Kommt er zu dem Ergebnis, diese rote Karte war klar und offensichtlich falsch, dann empfiehlt er dem Schiedsrichter ein sogenanntes On-Field-Review. Das heißt, dann geht er selbst an den Monitor und schaut sich das Ganze nochmal an. Das gilt aber auch für Vergehen, bei denen keine rote Karte gezeigt worden ist, aber möglicherweise in Betracht kommt. Also der Schiedsrichter hat ein Foulspiel beispielsweise nicht erkannt, falsch erkannt, falsch eingestuft, wie auch immer. Der Videoassistent guckt sich die Bilder an, kommt auf der Grundlage der Bilder zu dem Ergebnis. Hier müsste es aus seiner Sicht eine rote Karte geben. Es ist klar und offensichtlich falsch, die nicht gegeben zu haben. Auch dann käme es zu dieser On-Field-Review-Empfehlung.
9:18 Punkt 3 betrifft das Thema Strafstöße bzw. Strafraumsituationen. Verhängt der Schiedsrichter einen Strafstoß? Auch dann geht der Videoassistent sofort hin und überprüft die Berechtigung dieses Strafstoßes. Noch hier ist es wieder so, wenn die Strafstoßentscheidung aus seiner Sicht klar und offensichtlich falsch ist, dann empfiehlt er dem Schiedsrichter einen On-Field-Review. Oder bei Strafraumsituationen, in denen es keinen Strafstoß gibt, der Videoassistent aber auf der Grundlage der Bilder zu dem Ergebnis kommt, hier hätte es aus seiner Sicht einen Alphameter geben müssen. Es war klar und offensichtlich falsch, ihn nicht gegeben zu haben. Auch dann gibt es diese Review-Empfehlung, das ist Punkt 3.
9:50 Und Punkt 4 ist der deutlich seltenste Fall, das ist die sogenannte Spielerverwechslung bei persönlichen Strafen. Persönliche Strafen heißt gelbe, gelb-rote oder rote Karte. Einfaches Beispiel, eine Notbremse, eine sogenannte Notbremse wird von der Nummer 6 begangen. Der Schiedsrichter stellt aber die Nummer 8 mit der roten Karte vom Platz. Dann geht der Videoassistent hin und sagt, okay, du hast hier den Falschen des Feldes verwiesen. Gilt aber, wie gesagt, auch für Verwarnung und sagt, es war nicht die 8, es war die Nummer 6. Deswegen muss die rote Karte für die 8 zurückgenommen werden. Die 6 kriegt sie jetzt oder wie gesagt auch gelb oder gelb-rote Karte. In diesen vier Fällen überhaupt darf der Videoassistent nur eingreifen.
10:26 Nochmal, also Torerzielung, rote Karten, Strafstöne. Aber die Entscheidungshoheit liegt am Ende immer noch beim Schiedsrichter, oder? Oder kann der Videoschiedsrichter in irgendeiner Weise sagen, nee, du musst das jetzt anders bewerten? Der Videoschiedsrichter oder besser gesagt Videoassistent, und da steckt der Begriff Assistent ja schon drin, ist eben genau das. Er ist ein Assistent des Schiedsrichters, das heißt, die letztgültige Entscheidung liegt auf jeden Fall immer und ausschließlich beim Schiedsrichter. Der Videoassistent ist also kein Oberschiedsrichter im Fußball. Er kann Empfehlungen zur sogenannten Entscheidungsumkehr aussprechen. Der Schiedsrichter guckt sich dann das in klar definierten Fällen dann auch am Monitor an. Also man unterscheidet zwischen, ich will das jetzt nicht zu sehr ausweiten, aber zwischen sogenannten faktischen Entscheidungen und sogenannten subjektiven Entscheidungen.
11:09 Faktische Entscheidungen, das hieß beispielsweise Abseitsstellung, ja oder nein, war der Ball innerhalb oder außerhalb. Da gibt es nur schwarz und weiß, das heißt, da guckt der Videoassistent drauf und sagt, habe ich klar so erkannt, musst du dir auch nicht mehr anschauen. Das ist also sozusagen eine VAR-only-Entscheidung. In allen anderen Fällen, sprich Foulspiel, Handspiel, solche Sachen, rote Karten, wird der Schiedsrichter an den Monitor geschickt, beziehungsweise wird ihm die Empfehlung gegeben, sich die Szene im sogenannten On-Field-Review auf dem Monitor am Spielfeldrand nochmal selbst dann anzuschauen. Aber die letztgültige Entscheidung trifft immer er, wenn der Videoassistent also ihn rausschickt und er kommt dann auf der Grundlage der Bilder am Spielfeldrand, dann auf dem Monitor zu dem Ergebnis, meine Entscheidung, die ich getroffen habe, die kann man so vertreten, dann wird er dabei bleiben. Er kann also sozusagen nicht vom Videoassistenten overturned werden, der ist wie gesagt nur ein Assistent.
11:53 Was ich ganz schön in der Formulierung dann auch beim Rugby-TMO finde, ist, dass wenn der Schiedsrichter in irgendeiner Weise eine klare Fehlentscheidung getroffen hat und der TMO das gesehen hat, dass der TMO nicht sagt, du hast dir eine falsche Entscheidung getroffen, sondern ich würde dir empfehlen, diese Geschichte oder diese Szene nochmal anzuschauen. Das ist im Fußball im Prinzip ganz ähnlich. Also die Videoassistenten sind gehalten, den Schiedsrichter nicht zu sagen, du hast da falsch gelegen, sondern ihnen zunächst mal über das Headset zu schildern, was sie wahrgenommen haben. Man tauscht im Grunde genommen, das ist der wesentliche Punkt, man tauscht im Grunde genommen eine Wahrnehmung aus.
12:28 Der Videoassistent wird vielleicht sagen, deine Wahrnehmung, lieber Schiedsrichter, deckt sich aus meiner Sicht nicht mit den Bildern. Auf den Bildern ist Folgendes wahrzunehmen. Dann wird der Schiedsrichter natürlich merken, okay, da gibt es offensichtlich einen Unterschied. Und das löst man dann eben in aller Regel auf, indem der Schiedsrichter sich die Bilder selbst nochmal anschaut. Jetzt kann man natürlich sagen, in dem Moment, wo der Videoassistent ihm eine Wahrnehmung schildert, merkt er ja schon, okay, hier gibt es offensichtlich einen Dissens. Natürlich wird er durch diese Aussage, durch diese Schilderung der Wahrnehmung durch den Videoassistenten schon so ein bisschen in die Richtung gedrängt.
12:57 Da hast du möglicherweise einen Fehler gemacht. Aber nochmal, der Videoassistent soll dem Schiedsrichter nicht sagen, hör mal, da hast du dich geirrt. Das musst du anders machen, sondern er soll ihm die Wahrnehmung schildern. Klar, wie gesagt, er drängt ihn schon so ein bisschen in die Richtung. Aber die letztgültige Entscheidung, nochmal, die trifft der Schiedsrichter dann auf der Grundlage der Bilder selbst. 100% Sport Jederzeit auf Abruf auf meinsportpodcast.de meinsportpodcast.de ist Sport für die Ohren. Folge uns auf Twitter. Ein großer Unterschied, der zwischen dem TMO und dem Fußball-Videoschiedsrichter besteht, ist, wie diese Situationen angeschaut werden. Beim Rugby-TMO wird dem Schiedsrichter das Bild bzw. die Szene, die strittige Szene auf der Leinwand bzw. auf dem Videowürfel im Stadion angezeigt. Der Fußballschiedsrichter muss dazu zu diesem On-Field-Review gehen bzw. zu diesem kleinen Monitor gehen.
14:03 Dazu gibt es dann noch vom Schiedsrichter, wenn er den TMO anruft, eine klare Entscheidung bzw. eine Szene. Der Schiedsrichter sagt zum TMO, bitte überprüfe folgende Szene. Hat dieser Ball auf dem Boden gelegen oder gab es davor ein Abseits oder gab es davor ein Foul? Er darf niemals drei Situationen insgesamt überprüfen oder die ganze Situation, sondern er muss sich auf eine einzige Szene beschränken. Ist das beim Videoschiedsrichter genauso? Auf den Videowürfel kommen wir gleich nochmal. Im Fußball ist es grundsätzlich so, dass es auch Situationen geben kann, in denen mehrere Dinge überprüft werden können. Also nur mal so ein Beispiel. Es kann sein, dass der Stürmer den Ball mit der Hand spielt.
14:46 Vom Schiedsrichter bleibt das aber unerkannt. Und dann gelangt der Ball von diesem Stürmer zu einem anderen Mitspieler, der möglicherweise im Abseits steht und dann ein Tor erzielt. Das hatten wir jetzt in der zweiten Liga beim Spiel Stuttgart gegen Fürth. Genau diese Situation. Da werden dann zwei Situationen überprüft. Da wird dann geschaut, zunächst mal gab es wirklich ein Handspiel dieses Angreifers, das muss als erstes beurteilt werden und als zweites, wenn nein, wird dann möglicherweise eine Abseitsstellung wirksam. Es kann schon auch Situationen geben, wo mehrere Vergehen sozusagen dann in die Betrachtung oder mögliche Vergehen in die Betrachtung einbezogen werden und auch mehrere Dinge entschieden werden müssen.
15:20 Das Ganze läuft dann aber eben unter Überprüfung einer Torerzielung Und da kann es dann eben wie gesagt sein, dass im Vorfeld dieser Torerzielung sich gleich mehrere Vergehen der angreifenden Mannschaft zugetragen haben Das würde dann auch auf jeden Fall alles überprüft Der Schiedsrichter müsste also in diesem Fall nicht sagen, bitte prüf nur Abseits oder bitte prüf nur das Handspiel Wie man überhaupt sagen muss, in der Praxis ist es im Fußball so Da greift der Videoassistent ein und empfiehlt dem Schiedsrichter etwas oder gibt ihm eine Rückmeldung Es ist zwar theoretisch möglich, dass der Schiedsrichter umgekehrt sagt, bitte schau dir das nochmal an. Und so in der direkten Unterhaltung kommt es auch schon mal vor, so ein bisschen nach dem Motto, ihr habt das im Blick, ja.
15:56 Damit auf keinen Fall was übersehen wird. Das kommt in seltenen Fällen auch schon mal vor, dass irgendwas nicht bemerkt wird. Du hast es ja gerade schon gesagt, im Rugby hat es den Fall jetzt auch gegeben. Das geht im Fußball auch schon mal. Aber der weitaus häufigere Fall ist, dass der Videoassistent auf der Grundlage der Bilder etwas bemerkt und dem Schiedsrichter mitteilt. Und deutlich seltener, dass der Schiedsrichter sagt, bitte überprüft das nochmal. Ich bin mir in meiner Entscheidung nicht sicher. Damit geht auch einher, dass der Schiedsrichter zunächst mal auf jeden Fall angehalten ist, auf dem Feld eine Entscheidung zu treffen. Es soll also nicht so sein, es ist nicht ausdrücklich verboten, aber es soll auf keinen Fall so sein, dass der Schiedsrichter einfach sagt, ich entscheide hier einfach mal gar nichts.
16:30 Und wenn irgendwas gewesen ist, dann wird sich der Videoassistent schon melden. Solche Fälle hat es auch schon gegeben, die führen dann auch zu einer Entscheidung. Das ist aber nicht vorgesehen. Also da merkt man auch, die Stellung des Schiedsrichters im Fußball, der soll im Wesentlichen auf dem Platz entscheiden, auf der Grundlage seiner Wahrnehmung und immer erst eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung zu treffen kann auch bedeuten, ich habe nichts wahrgenommen, ich habe kein Vergehen bemerkt. Also habe ich das Spiel weiterlaufen lassen. Dann ist der Videoassistent sozusagen gehalten, da einzugreifen. Und er soll eben nicht als Oberschiedsrichter fungieren. Und das bedeutet eben auch, das Spiel soll nicht einfach weiterlaufen.
17:01 Der Schiedsrichter sagt dann auch, weißt du was, wenn du das gesehen hast, dann meldst du dich bitte und ansonsten geht es ja einfach mal weiter. Das soll eben im Fußball nicht der Fall sein. Und damit kommen wir zu diesem Videobild. Der Schiedsrichter beim Fußball sieht es für sich alleine, dieses Bild, beziehungsweise die Fernsehzuschauer bekommen dann auch das Bild dazu, welche Szene überprüft wird, beziehungsweise um welche Szene es geht, warum der Schiedsrichter dann zu diesem Videoreview läuft. Beim Rugby ist es so, dass auf den beiden Videoleinwänden beziehungsweise auf dem Videowürfel diese Szene nachgestellt wird. Findest du das als Schiedsrichter beziehungsweise Schiedsrichterbeobachter gut, was der Fußball macht?
17:38 Findest du es besser, was das Rugby macht? Oder wo siehst du die Unterschiede beziehungsweise die Vorteile und Nachteile? Ich glaube, das ist eine Frage der Akzeptanz, vielleicht auch, was man besser findet. Man muss sich ja mal vorstellen, wenn der Schiedsrichter sich das im Stadion auf dem Videowürfel anschaut, also im Prinzip ja gemeinsam mit den Zuschauern, wenn ich das richtig verstanden habe, dann hängt die Bewertung auch davon ab, wie reagiert dieses Publikum eigentlich? Also beeinflusst es den Schiedsrichter erkennbar in seiner Entscheidungsfindung, dann halte ich das, glaube ich, für nicht so eine gute Idee und das würde ich im Fußball, um das vorsichtig zu formulieren, zumindest nicht ausschließen.
18:11 Also ich denke, dass es im Sinne der Konzentration des Schiedsrichters keine schlechte Idee ist, wenn er zunächst mal den Moment für sich allein hat. Die Schiedsrichter, mit denen ich gesprochen habe, die haben ja auch gesagt, das ist alles andere als leicht. Wenn du da rausläufst, vielleicht mit einem Puls von 160 und hast noch die Szene, so wie du sie auf dem Platz wahrgenommen hast, die hast du noch im Kopf und dann stehst du vor diesem Fernseher, stehst du vor diesem Monitor und siehst Bilder, wo du dir erstmal klar machen musst, das ist jetzt gerade die Szene, die sich auf dem Platz zugetragen hat. Und manche Schiedsrichter sagen, das, was ich da sehe, da muss ich mir erstmal klar machen, hey, das ist gerade wirklich passiert.
18:43 Das ist ja eine völlig andere Perspektive, die die Kameras da zeigen, als die, die der Schiedsrichter möglicherweise gerade gehabt hat. Die sagen, wir sind da eh schon unter Stress, da warten natürlich auch Leute drauf jetzt die Vorstellung, dass die alle parallel dazu auch gucken und dafür natürlich auch Reaktionen kommen und insbesondere natürlich, wenn es die Heimannschaft betrifft, besonders laute Reaktionen kommen. Ich glaube, da würden viele Schiedsrichter sagen, das beeinträchtigt sie in ihrer Konzentration so stark, dass sie es lieber haben, am Monitor gucken zu können. Das ist eine Vermutung von mir, denn da steht ja überhaupt nicht zur Diskussion, dass das im Fußball so läuft. Im Fußball, ganz kurz, ist es so, die Fernsehzuschauer sehen, ich rede jetzt mal von der Bundesliga zunächst, die Fernsehzuschauer sehen bei einem On-Field-Review, also einem einfachen Check, dass das was die da in ihrem stillen Kämmerlein in Köln machen, das bekommt der Fernsehzuschauer so nicht mit.
19:25 Was der Fernsehzuschauer mitbekommt, ist, wenn es zu einem On-Field-Review kommt, dann sieht er dieselben Bilder oder die gleichen Bilder, die der Schiedsrichter am Spielfeldrand auch sieht. Das kann der dann also in dem Moment nachvollziehen. In den Bundesliga-Stadien selbst bekommt man keine bewegten Bilder zu sehen. Da gibt es nur Texteinblendungen. Da steht dann im Idealfall, wenn es denn alles so läuft, wie es soll, steht dann Ereignis, Grund der Überprüfung und Ergebnis. Aber es gibt keine bewegten Bilder. Bei Kolinas Erben haben wir das schon öfter kritisiert und haben schon häufiger gesagt, es wäre doch eigentlich eine gute Idee, wenn die Zuschauer auch die Bilder gezeigt bekämen. Wobei ich der Ansicht bin, dass diese Bilder gezeigt werden sollen.
20:03 Nachdem das Review abgeschlossen und eine Entscheidung getroffen ist, dann soll das nachvollziehbar sein. Während des Prozesses fände ich das im Fußball, glaube ich, keine so gute Idee. Die Lösung, wie sie jetzt in der Bundesliga gefunden worden ist mit den Texteinblendungen, halte ich persönlich, ehrlich gesagt, für nicht ausreichend. Da muss man allerdings auch dazu sagen, da ist nicht die Schiedsrichterführung und auch nicht der Deutsche Fußballbrunnen dagegen, dass das gezeigt wird, sondern es sind im Wesentlichen die Vereine selbst, die sagen, wir wollen das nicht machen, da so Sicherheitsbedenken gelten, das wahrscheinlich im Klartext und in der Übersetzung heißt, wenn das gezeigt wird, dann rasten die Leute aus, nehmen uns die Hütte auseinander, das Spiel steht kurz vor dem Abbruch, deswegen zeigen wir das nicht.
20:36 Das wird nicht so offen ausgesprochen, aber das ist ziemlich sicher die Logik, die dahinter steht. Der Schiedsrichter erklärt ja auch keine Entscheidungen. Also mehr Transparenz im Fußball, im Stadion hielt sich für absolut wünschenswert. Viele sagen, wenn wir im Stadion sind, haben wir überhaupt keine Ahnung, trotz der Texteinblendung, was passiert da eigentlich gerade. Wir können das nicht nachvollziehen, aus unserer Sicht dauert das auch zu lange. Da würde ich, um das dann abschließend zu sagen, wiederum einwenden. Ich war selbst schon im sogenannten Kölner Keller, habe das verfolgen können. Das geht in Wirklichkeit ziemlich schnell vonstatten. Dass man aber, wenn man das nicht sehen kann im Stadion, dass man das Gefühl hat, das dauert sehr lange und dann ist eine Minute manchmal wie eine Ewigkeit.
21:10 Insbesondere, wenn es um die Frage geht, hat ein Torbestand oder nicht. Das verstehe ich natürlich wiederum auch. Also da stehen die Interessen der Fans natürlich auch den Interessen vielleicht der Klubs und der Schiedsrichter entgegen. Aber offen auf dem Videowürfel im Stadion angucken, das hielt sich zum derzeitigen Zeitpunkt, glaube ich, für eine sehr gewagte Lösung und denke, dass das im Fußball ein, zwei Messers, die können sich das auf dem Monitor angucken. Aber wie gesagt, nochmal, die Bilder sollten hinterher schon auch gezeigt werden im Stadion. Was beim Rugby dann auch sehr, sehr offensichtlich bzw. sehr häufig eingesetzt wird, ist die Rücksprache des Schiedsrichters mit den Linienrichtern, weil Versuche sehr häufig dann auch an der Seite gelegt werden und sollte es da Unstimmigkeiten geben, wird erstmal der Linienrichter angerufen, wenn der sagt, es ist mir nicht ganz sicher, ob dieser Ball zum Beispiel auf dem Boden gelegen hat, um dies als Versuch gelten zu lassen, dann sollten wir nochmal den TMO anrufen.
21:57 Wenn der TMO angerufen wird, hat der Fernsehzuschauer sofort die Möglichkeit, die komplette Unterhaltung zwischen dem TMO und dem Schiedsrichter zu verfolgen. Warum gibt es sowas nicht dann auf dem Bundesliga-Niveau bzw. beim Videoschiedsrichter beim Fußball? Also zunächst mal zu den Schiedsrichterassistenten. Die gibt es im Fußball ja auch. Zwei an der Zahl plus beim Profifußball oder bis runter zur dritten Liga einen vierten offiziellen. Das sind für den Schiedsrichter auch immer die ersten Ansprechpartner, denn die beurteilen ja sozusagen auch in Echtzeit. Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten, beziehungsweise Fürther Offizieller sind mit einem Headset verbunden. Das heißt, sie können sich direkt unterhalten.
22:32 Da muss also niemand mehr rauslaufen. Das wird teilweise gemacht, um den Zuschauern zu signalisieren, ihr findet gerade eine Unterhaltung, ein Austausch von Informationen statt. Aber grundsätzlich können die sich über das Headset unterhalten. Also das gibt es im Fußball auch. Und die sind, wie gesagt, die ersten Ansprechpartner, bevor da überhaupt der Videoassistent ins Spiel kommt. Was man in der Tat nicht hören kann, du hast es schon gesagt, ist die Unterhaltung, die es dann im Falle eines Reviews gibt, zwischen Schiedsrichter und Videoassistent. Und da bin ich so ein bisschen gespalten. Auf der einen Seite bin ich schon ein Freund von Transparenz, dass man die Dinge nachvollziehen kann. Auf der anderen Seite bin ich selbst lange genug Schiedsrichter gewesen, um auch zu wissen, dass es ganz gut sein kann, wenn bestimmte Unterhaltungen sowohl im Schiedsrichtergespann als auch mit den Spielern nicht transparent und nicht öffentlich werden.
23:13 Ich will jetzt gar nicht von Trash-Talk anfangen, aber es gibt bestimmte Dinge, die klärt man ganz gerne unter vier Augen. Die muss auch nicht jeder mitbekommen. Das ist ein bisschen wie in der Politik. Auch Geheimdiplomatie hat schon ihren Sinn. Es muss nicht immer alles öffentlich sein. Verstehe natürlich das Bedürfnis der Zuschauer danach, dass sie sagen, wir hätten das gerne nachvollzogen. Wir finden das spannend. Wir können diesen ganzen Prozess dann auch nachempfinden, haben vielleicht auch mehr Verständnis. Aber es gibt auch Situationen, da möchte man ab und zu schon mal was besprechen, was vielleicht nicht jeder mitkriegen soll, was aber trotzdem für eine Entscheidungsfindung ganz zuträglich sein kann.
23:43 Und dann redet man vielleicht einfach anders, wenn man weiß, alle hören mit. Das kann in bestimmten Situationen von Nachteil sein, wenn man weiß, jeder kann da mithören. Und das kann natürlich in vielen Situationen auch von Vorteil sein, wenn man weiß, da ist eine Transparenz gegeben, die möglicherweise auch zu mehr Akzeptanz führt. Also das ist, glaube ich, so ein zweischneidiges Schwert. Kann ich nicht so richtig klar in die eine oder andere Richtung auflösen. Möchte aber auch dazu sagen, und der Mario hat gar keinen Hehl daraus, ich bin eben, wie gesagt, seit 1985 Schiedsrichter und bin natürlich auch damit aufgewachsen, dass man Entscheidungen überhaupt nicht erklären muss als Schiedsrichter.
24:13 Die Zeiten haben sich geändert und dazu möchte ich ausdrücklich sagen, das ist gut so. Man muss den Spielern heute gegenüber auch transparenter sein, muss mehr erklären. So generiert man auch Akzeptanz. Das hat lange Jahre, Jahrzehnte, sind da ins Land gezogen, wo man sagen muss, da hat man gesagt oder hat man argumentiert. Ein Schiedsrichter, der viel erklärt, ist einer, der keine Akzeptanz hat. Das schwächt seine Autorität. Ich glaube, das hat sich so ein bisschen umgedreht. Allerdings hinkt man dem Fußball vielleicht auch noch so ein bisschen hinterher. Also grundsätzlich mehr Akzeptanz wäre sicherlich nicht schlecht. Ob ich immer jede Unterhaltung mit dem Videoassistenten übertragen muss, muss ich mir, glaube ich, noch überlegen.
24:46 Da sehe ich auf jeden Fall auch die Nachteile. Ich habe für mich persönlich entschieden bzw. habe ich festgestellt, dass bei mir die Entspannung sehr, sehr viel schneller eintritt, wenn ich einfach den Schiedsrichtern zuhören kann, über welche Entscheidung sie sich unterhalten und in welchem Ausmaß sie sich unterhalten. Und dann hat für mich diese Erklärung dieser Schiedsrichter immer zu einem relativ guten Gefühl geführt. Natürlich bin ich nicht immer zu 100 Prozent mit dem Schiedsrichter übereingekommen, aber insgesamt muss ich sagen, bei mir hat sich das Verständnis deutlich erhöht, seitdem ich diesen TMO beim Rugby kenne und dort dann auch diese Unterhaltung mitbekommen habe. Vielleicht hängt das auch ein bisschen damit zusammen, jetzt nicht nur was dich persönlich betrifft, sondern auch damit zusammen, worüber wir ganz am Anfang gesprochen haben, mit der Akzeptanz, mit der grundsätzlichen Akzeptanz, dem Respekt der Stellung des Schiedsrichters in der jeweiligen Sportart.
25:37 Reden wir erstmal gar nicht über die Zuschauer, sondern reden wir über die Spieler selbst. Wie gesagt, wenn mir der Chef der deutschen Rugby-Schiedsrichter sagt, wir kommen im Rugby direkt hinter Gott, da muss man auch sagen, wenn man das hören kann, gut, das kriegen ja dann die Zuschauer mit, nicht unbedingt die Spieler oder wird das im Stadion übertragen? Nein, im Stadion wird die Unterhaltung nicht übertragen. Okay, gut, also dann ist es jetzt ein bisschen schwierig, das hatte ich mir jetzt so schön ausgehalten, aber möglicherweise, da müssen wir die Zuschauer doch mit einbeziehen. Vielleicht ist es halt einfach so, dass die Akzeptanz einfach eine Rolle spielt dabei, dass man sagen muss, okay, die ist im Rugby generell höher, dann kann man sowas auch eher übertragen, weil man weiß, das wird in aller Regel dann auch hingenommen, wird in aller Regel auch eben akzeptiert, trägt zum Verständnis bei.
26:15 Letzteres zum Verständnis beizutragen, ist natürlich sicherlich ein wichtiger Punkt, denn also bei Paulinas Erben ist es natürlich, also wir sind ja keine Leute, die jetzt irgendwie während des laufenden Spiels irgendwelche Live-Kommentare, vielleicht über Twitter oder sowas, aber natürlich nicht im Fernsehen und schon gar nicht in absoluter Echtzeit irgendwie da abgeben. Aber da haben wir schon das Feedback bekommen von Leuten, die gesagt haben, seit wir das besser verstehen, nicht zuletzt durch eure Erklärungen, verstehen wir auch den Schiedsrichter besser, haben wir mehr Respekt vor ihm. Also ich glaube schon, dass das grundsätzlich in diese Richtung funktioniert. Wir kennen aber auch die Reaktion, man kann erklären, so viel man will.
26:46 Es wird immer Leute geben und das sind gar nicht so wenige, die dann sagen, na gut, wenn die Entscheidung also nicht falsch ist, wenn das so für sie argumentiert worden ist, dann ist eben die Regel doof. Und das ist natürlich eine schwierige Situation, denn da kann man als Schiedsrichter gar nichts mehr machen. Dann trifft man zwar eine richtige Entscheidung, aber die Leute sind weiterhin unzufrieden, weil die Regel angeblich doof ist, wobei ich da in vielen Fällen sagen würde, ist sie gar nicht. Müsste man nochmal drüber reden, aber irgendein Argument findet sich da eben immer. Also vielleicht hat es, wie gesagt, auch was mit der Akzeptanz zu tun. Kann deinen Punkt aber auch aus eigener Erfahrung völlig verstehen.
27:14 Wenn man für Transparenz sorgt, hat man sicherlich immer auch die Chance, dass man darüber mehr Akzeptanz generiert. Und vielleicht ist es im Fußball auch so. Bin mir da, wie gesagt, nicht ganz so sicher. Finde aber das Argument, das du sagst, natürlich auch durchaus überzeugend. Ich glaube, wir sind dann auch auf das Pudelskern gekommen. Es geht einfach um die Akzeptanz des Schiedsrichters, gerade bei den Spielern und dann auch bei den Zuschauern. Und diese Akzeptanz ist einfach insgesamt höher beim Rugby. Und beim Fußball gehört Schiedsrichterbeschimpfung sowohl von Spielern als auch von Trainern an der Außenlinie als auch von Zuschauern. Gehört ja auch vielleicht ein bisschen zur Folklore dazu.
27:46 Das ist offensichtlich Teil der Folklore. Ganz am Anfang haben wir so ein bisschen über das Thema Tradition gesprochen. Ich habe es so ein bisschen flapsig dann in die Richtung geschoben, dass ich gesagt habe, naja, vielleicht gehört es eben auch im Fußball zur Tradition dazu. Folklore finde ich ehrlich gesagt das deutlich bessere Wort, den deutlich besseren Begriff dafür. Davon mögen wahrscheinlich viele nicht lassen, auf eine ganz schräge Art und Weise. Ich weiß, das ist jetzt sehr angreifend, was ich sage. Hat das vielleicht auch zur Popularität des Fußballs beigetragen, dass die Leute halt so ein Ventil haben, dass sie da öffnen können, so ein Ventil, dass sie dann einen Sündenbock haben, eine Zielscheibe haben, auf die sie dann sozusagen ihre Emotionen projizieren können.
28:20 Vielleicht würde die Popularität sinken, wenn man das Ganze so regeln würde, dass man sagt, da geht es eben zu, quasi so ein bisschen wie auf dem Kasernenhof. Da hat dann auch jeder Respekt, da wird dann den Schiedsrichter nicht angetastet. Also es ist schwierig, denn natürlich sind Diskussionen, die es im Fußball gerade gibt, haben immer auch was damit zu tun, will es jetzt nicht zu sehr ausweiten, oder gewagt formulieren, aber so ein bisschen auch so mit demokratischer Diskussionskultur. Davon ist natürlich die Beschimpfung zu unterscheiden, ganz klar. Aber dass man im Fußball den Schiedsrichter inzwischen hat, wo man sagt, gut, der ist jetzt nicht völlig sakrosankt, der muss die Entscheidungen treffen, aber es muss auch darüber diskutiert werden dürfen, hat jetzt für mich ehrlich gesagt nicht nur Nachteile.
28:57 Das sollte natürlich in einem gewissen Rahmen bleiben. Aber deswegen tue ich mich immer so ein bisschen schwer damit zu sagen, ja, wenn wir da im Fußball die Regelung hätten, dass nur der Kapitän mit dem Schiedsrichter sprechen darf. Also ich kenne genügend Schiedsrichter gerade in den unteren Klassen, Und für die wäre das ein riesengroßer Vorteil, weil sie einfach die Möglichkeit hätten, die Spieler dann auf Abstand zu halten. Und sagen, hören Sie zu, Sie wissen, was passiert. Wenn Sie mich jetzt hier antasten, gehen Sie weg. Sonst werden Sie hier mit Strafen konfrontiert, die sich auf Ihr Spiel negativ auswirken. Nur der Kapitän, und dem erkläre ich was. Das ist für die meisten Schiedsrichter natürlich einfacher.
29:24 Ein guter Schiedsrichter wird jetzt nicht so die Mühe haben, auch vielleicht mit fünf oder sechs klarzukommen und dem deutlich zu machen, was hier gerade Sache ist. Aber sicher, es gehört in gewisser Weise zur Folklore dazu. Aber auch solche folkloristischen Traditionen und Gepflogenheiten und Gewohnheiten kann man ganz sicherlich ändern. Das ist im Fußball ja bei allen Regeländerungen so. Wenn man sie einführt, muss man sie in gewisser Weise vermitteln. Wenn man die Auslegung verschärfen will, muss man das sehr klar und deutlich sagen, damit allen klar ist, das sind jetzt die Konsequenzen. Das dauert immer ein bisschen, bis die Leute sich darauf eingestellt haben. Dann gewinnt sowas Akzeptanz, wenn die Leute das Gefühl haben, jetzt läuft alles irgendwie letztlich besser.
29:58 Alle haben was davon. Mag aber auch sein, dass die Leute dann sagen, naja, jetzt fehlt uns so ein bisschen das Ventil. Man weiß auch vorher, um das abschließend dazu zu sagen, auch nicht immer so genau, was passieren wird. Ich denke nur daran an die Diskussionen, die es gegeben hat vor der Einführung des Videoassistenten. Da hat es nicht wenige Stimmen gegeben, die gesagt haben, dann wird es ja gar keine Diskussionen mehr geben im Fußball. Das ist doch ein Angriff auf die Emotionen, denn das ist ja alles objektiv feststellbar. Dann gibt es da einen, der sitzt da irgendwie in einem Keller und der spricht mit dem Schiedsrichter und der wird ihm dann sagen, so und so ist das. Dann wird eine Entscheidung getroffen, da lässt sich mit den Bildern klar nachweisen, das ist jetzt so und so gewesen, jetzt können wir uns gar nicht mehr aufregen.
30:34 der Videoassistent wird der Tod der Emotionen im Fußball sein. Also wie wir alle wissen, ist das ja nun nicht eingetreten. Und wenn wir jetzt über das Thema Emotionalität im Fußball reden, dann eigentlich überwiegend in die Richtung, dass es eben heißt, der Torjubel steht im Fußball ja jetzt nur noch, im Profifußball nur noch unter Vorbehalt. Denn wir können jubeln, aber wir wissen ja gar nicht, ob der Videoassistent nicht doch noch was entdeckt und das Tor dann schlussendlich zurückgenommen wird. Also wir können uns jetzt nicht mehr sicher sein, dass die Torerzielung nicht mehr sofort sicher sein, dass die Torerzielung auch endgültig feststehen wird. Also das ist eher so der Bereich, wo wir jetzt gerade über Emotionen reden, aber eben nicht, wie das ursprünglich angenommen worden ist, dass der Videoassistent die grundsätzlich abtötet, weil er eben alles objektiv entscheidet.
31:12 Und im Nachhinein betrachtet muss man sagen, jetzt heute lacht man schon darüber. Dabei gibt es den Videoassistenten im Fußball ja noch gar nicht so lange anders als im Rugby, aber das hat sich dann doch anders entwickelt. Das heißt, man weiß es vorher auch gar nicht immer, wie sich irgendeine Änderung in den Regeln konkret auswirken wird. Wir werden es hier auch nicht auflösen können, beziehungsweise wir haben es nicht auflösen können, aber wir haben so ein bisschen, ich glaube, Verständnis füreinander geschaffen. Ja, es wird immer dann noch von Fußballfans, die sich auch mit Rugby beschäftigen, gesagt, ja, beim Rugby funktioniert das so gut, warum funktioniert es beim Fußball nicht? Und dann können wir umgekehrt sagen, ja, aber es ist etwas kompliziert.
31:44 Ich glaube, da haben wir jetzt einen ganz guten Unterschied geschafft. Alex Feuerhead, ich danke dir sehr, sehr für diese sehr unterhaltsame halbe Stunde. Ich habe mich sehr unterhalten gefühlt. Ich mich auch und ich habe auch wieder vieles gelernt. Ich finde ja gerade so dieses Komparative, diese Sportartübergreifen finde ich immer sehr spannend, sehr interessant und das hat auf jeden Fall nochmal mein Interesse am Rugby geweckt und ich glaube, da werde ich jetzt zukünftig auch ein bisschen genauer hinschauen. Gerade was das Thema Schiedsrichter betrifft. Du solltest hinschauen, vor allen Dingen die Rugby-WM ist ganz, ganz toll. Vielen Dank, Alex Feiert. Gerne, mach's gut, tschüss. Die komplette Welt des Sports.
32:20 Wann und wo du willst. Brian Jones. Gründer der Rolling Stones, liegt tot in seinem Swimmingpool. Offiziell ist es ein Unglücksfall, doch dann tauchen Zweifel auf. Neue Aussagen, ein Mordverdacht und Jahrzehnte später sogar ein angebliches Geständnis. Plötzlich scheint klar zu sein, was in dieser Nacht passiert ist. Nur gibt es da ein Problem. Je genauer die Geschichte wird, desto weniger lässt sich davon wirklich beweisen. Brian Jones, die Wahrheit versinkt im Pool jetzt bei Tatort Musik überall, wo es Podcasts gibt. auch 2019 überraschen? Sei dabei, wenn Vivian Wahlmann, Donal Peoples und Georg Molz die Rugby-WM für dich analysieren.