Rugby-WM 2035: Spanien bewirbt sich mit Camp Nou und Bernabéu
Spanien bewirbt sich um die Rugby-Weltmeisterschaft der Herren 2035, das Finale soll im umgebauten Camp Nou in Barcelona vor 105.000 Zuschauern stattfinden. Gegenkandidaten sind Japan und eine südamerikanische Bewerbung unter Führung Argentiniens, World Rugby will den Ausrichter im November 2027 bekannt geben.
Teaser
Spanien bewirbt sich um die Rugby-Weltmeisterschaft 2035. Das Finale soll im umgebauten Camp Nou in Barcelona vor 105.000 Zuschauern stattfinden, so vielen wie bei keinem WM-Finale zuvor. Gegenkandidaten sind Japan und eine südamerikanische Bewerbung unter Führung Argentiniens, World Rugby will den Ausrichter im November 2027 bestimmen.
Rugby-WM 2035: Spanien bewirbt sich mit Camp Nou und Bernabéu
Spanien will die Rugby-Weltmeisterschaft der Männer 2035 ausrichten. Der spanische Rugbyverband RFER hat am Donnerstag die möglichen Spielorte vorgestellt, darunter das Camp Nou des FC Barcelona, das Estadio Santiago Bernabéu von Real Madrid, das Metropolitano von Atlético Madrid und das Mestalla in Valencia.
Der Verband hat seinen ausführlichen Bewerbungsfragebogen im Herbst bei World Rugby eingereicht. Er kündigt an, die „beste Weltmeisterschaft der Geschichte“ ausrichten zu wollen, und will das Turnier mit den weltweit 700 Millionen Spanischsprachigen verbinden. Mit Superlativen werben allerdings alle Bewerber. Belastbarer ist, was World Rugby bei seinen Besuchen ab Ende 2026 prüft.
Die Stadien
Insgesamt hat Spanien 14 Stadien bei World Rugby eingereicht. Erhält das Land den Zuschlag, wird die Liste auf neun oder zehn Spielorte verkleinert. Auch das San Mamés in Bilbao steht darauf. Das Bernabéu hat nach seinem Umbau 83.186 Sitzplätze.
Das Finale ist im Camp Nou geplant, das nach dem Umbau 105.000 Zuschauer fassen soll. Die Zahl ist allerdings ein Planwert. Das Stadion wird seit Juni 2023 umgebaut, die Fertigstellung ist für Anfang 2028 vorgesehen. Der Zeitplan wurde bereits mehrfach angepasst, und der FC Barcelona ist zunächst nur mit reduzierter Kapazität ins Stadion zurückgekehrt. Bis 2035 bleibt zwar ausreichend Zeit, doch das Herzstück der Bewerbung existiert in seiner endgültigen Form noch nicht.
Die Bewerbung wird von der spanischen Regierung und der Fußballliga LaLiga unterstützt. Sie baut auf der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 auf, die Spanien gemeinsam mit Portugal und Marokko ausrichtet. Laut RFER sollen dafür Stadien, Verkehrsinfrastruktur, Sicherheitskonzept und Freiwilligenorganisation genutzt werden.
Offen bleibt, wie sich das Turnier mit dem Fußball vereinbaren lässt. Rugby-Weltmeisterschaften finden traditionell im Herbst statt, zwischen September und November, also mitten in der LaLiga-Saison. Camp Nou, Bernabéu, Metropolitano oder Mestalla müssten dann teils über Wochen für Rugby zur Verfügung stehen, inklusive Auf- und Abbau sowie Rasenpflege. Wie die Klubs ihre Heimspiele in dieser Zeit planen sollen, geht aus der Bewerbung bisher nicht hervor.
Zwei verpasste Weltmeisterschaften
Spanien hat sich für die WM 2027 in Australien qualifiziert und nimmt damit zum ersten Mal seit 1999 wieder an einer Weltmeisterschaft der Männer teil. Dass Spanien so lange auf eine WM-Teilnahme warten musste, lag nicht nur am Sportlichen. In den Qualifikationen für 2019 und 2023 wurden die Spanier jeweils nachträglich bestraft, weil sie nicht spielberechtigte Spieler eingesetzt hatten. 2018 verloren sie dadurch ihren Platz im Playoff gegen Portugal, 2022 sogar die bereits erreichte direkte Qualifikation.
Im zweiten Fall ging es um den Prop Gavin van den Berg, einen gebürtigen Südafrikaner. Vor seinen beiden Länderspielen hätte er 36 Monate ununterbrochen in Spanien wohnen müssen, war im ersten dieser Jahre aber 127 Tage außer Landes. Die Disziplinarkommission von World Rugby warf dem Verband vor, den Spieler nie selbst dazu befragt zu haben, und zog Spanien zehn Punkte ab. Rumänien übernahm daraufhin Spaniens WM-Startplatz.
Für die Bewerbung ist diese Vorgeschichte ein heikler Punkt. Die Kommission wertete den Fall als faktisch dritten Verstoß des Verbands gegen die Regeln zur Spielberechtigung binnen rund vier Jahren und warnte vor gravierenden Folgen bei einem vierten. World Rugby wird deshalb auch prüfen, wie verlässlich der Verband als Organisator ist.
Was sich der Verband verspricht
Bis 2035 will der Verband die Zahl der aktiven Spieler im Land verdreifachen und Spanien langfristig als Tier-One-Nation etablieren. Sportlich ist das Land davon noch ein Stück entfernt: In der Rugby Europe Championship 2026 landete es hinter Georgien und Portugal auf Platz drei.
„World Rugby hat dieses Turnier als Höhepunkt unseres Sports etabliert, und es ist eine große Ehre für Spanien, sich um die Ausrichtung zu bewerben“, sagte Juan Carlos Martín Sánchez, genannt „Carlos Hansen“, Präsident der RFER. „Unser Einsatz für das Rugby hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu außergewöhnlichen Fortschritten geführt, und die nächsten neun Jahre könnten für den Sport in ganz Spanien einen Entwicklungssprung bedeuten.“
Weiter sagte Martín: „Rugby wird Teil der Identität unseres Landes. Gemeinsam mit World Rugby können wir die Weltmeisterschaft 2035 zu einem Wendepunkt für das weltweite Wachstum des Sports machen, zum Nutzen kommender Generationen.“
Zu den „außergewöhnlichen Fortschritten“ der vergangenen zwei Jahrzehnte gehören allerdings auch die beiden WM-Ausschlüsse, die der Verband selbst zu verantworten hatte.
Erfahrung mit großen Rugbyspielen
Spanien war bereits Gastgeber großer Rugbyspiele, allerdings meist als neutraler Spielort für ausländische Mannschaften. Das Finale der französischen Top 14 zwischen Racing 92 und Toulon fand 2016 im Camp Nou statt, weil in Frankreich zur selben Zeit die Fußball-Europameisterschaft lief. Die 99.124 Zuschauer sind laut Yahoo Sports bis heute Rekord für ein Spiel im Klubrugby, kamen aber größtenteils aus Frankreich. Auch bei den europäischen Finalwochenenden 2018 und 2026 im San Mamés in Bilbao spielten keine spanischen Klubs. Daneben hat Spanien Turniere der World Rugby Sevens Series ausgerichtet.
Weitere Großereignisse sollen folgen. Laut Sky Sports bewirbt sich Spanien darum, 2029 die Finals von Champions Cup und Challenge Cup in Madrid und 2030 das Top-14-Finale in Barcelona auszurichten. Über das Interesse am Rugby in Spanien selbst sagen solche Gastspiele allerdings wenig.
Die Konkurrenz: Japan und Südamerika
Um die WM 2035 bewerben sich außerdem Japan und eine gemeinsame Kandidatur von Argentinien, Brasilien, Chile und Uruguay. Die südamerikanische Bewerbung brächte die erste Rugby-WM auf diesen Kontinent. Japan war 2019 der erste Gastgeber in Asien, das Turnier stellte damals kommerzielle Rekorde und Zuschauerrekorde auf.
Die nächsten Ausrichter stehen bereits fest. Australien richtet 2027 die WM der Männer und 2029 die der Frauen aus, die USA 2031 die der Männer und 2033 die der Frauen. Bei einem Zuschlag wäre Spanien der erste europäische Gastgeber seit Frankreich 2023.
So wählt World Rugby aus
World Rugby hat das Auswahlverfahren im September 2025 eröffnet. Bewerben können sich einzelne Länder und Zusammenschlüsse mehrerer Länder. World Rugby will die Verträge mit den Regierungen der Gastgeberländer und den Spielorten schon vor der Entscheidung abschließen.
Ab Ende 2026 besucht World Rugby die Bewerber und prüft die Machbarkeit der Konzepte. Im Mai 2027 will World Rugby seinen bevorzugten Kandidaten benennen, im November 2027 soll der World Rugby Council den Ausrichter offiziell bestimmen.
Laut World Rugby ist die WM der Männer die wichtigste Einnahmequelle des Sports. Die WM 2023 in Frankreich zählte insgesamt mehr als 2,3 Millionen Stadionbesucher. Nach eigenen Angaben verbuchte World Rugby einen Rekordüberschuss von 472 Millionen Pfund, der in den Sport zurückfließen soll. Unabhängig belegt ist diese Zahl nicht, und inwiefern das Geld tatsächlich in den Sport zurückgeflossen ist, bleibt offen.
Die jüngsten Ergebnisse
Sportlich verlief das Jahr 2026 für Spanien durchwachsen. In der Rugby Europe Championship gewann die Mannschaft ihre Gruppenspiele gegen die Niederlande (51:33) und die Schweiz (53:14), verlor aber in Georgien mit 30:42. Im Halbfinale unterlag Spanien Portugal deutlich mit 7:26, im Spiel um Platz drei besiegte es Rumänien in Leganés mit 29:23 und wurde damit Dritter der Rugby Europe Championship.
Außerdem gehört Spanien zu den Teilnehmern des World Rugby Nations Cup, den World Rugby 2026 neben der Nations Championship eingeführt hat. Die ersten drei Spiele bestritt die Mannschaft im Juli in Nordamerika: In Edmonton spielte sie 42:42 gegen Kanada und schlug Tonga mit 32:19, in den USA verlor sie mit 22:29.
Im November folgen drei Heimspiele im Nations Cup: am 7. November gegen Uruguay im Estadio Nacional Complutense in Madrid, am 14. November gegen Chile im Estadio Butarque in Leganés und am 21. November gegen Samoa in Málaga.
Quellen
- BBC Sport · Spain bids for Rugby World Cup with Nou Camp final ↗
- Sky Sports · Rugby World Cup: Spain enter bid to host tournament - could Nou Camp or Bernabeu host 2035 final? ↗
- Planet Rugby · Rugby World Cup: Latest nation launches 2035 bid as governing body issue 'turning point' message ↗
- Yahoo Sports · Spain puts Nou Camp and Bernabeu at heart of surprise Rugby World Cup bid ↗
- Reuters · Spain includes Bernabeu, Camp Nou among venues in 2035 Rugby World Cup bid ↗
- World Rugby · World Rugby launches Men's Rugby World Cup 2035 host selection process ↗
- RugbyPass · Spain Fixtures & Scores ↗
- Americas Rugby News · Venues Set for Spain's November Internationals Against Uruguay and Chile ↗
- World Rugby · Judicial Committee Decision: Regulation 8 breach (FER & Gavin van den Berg), 5 May 2022 ↗
- RugbyPass · 'Quite despicable' - World Rugby publish scathing text from Spain's eligibility scandal ↗
Dieser Text wurde mit Hilfe von KI erstellt.