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Vorpass · Folge 76

Schiedsrichter Legende Bernd Gabbei heute zu Gast

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Donal und Georg haben sich heute Bernd Gabbei eingeladen. Bernd hat schon von Kindesbeinen an auf hohem Niveau Rugby gespielt, dann aber die Laufbahn gewechselt und wurde schon in jungen Jahren ins kalte "Schiedsrichter Wasser" geworfen wurden. Wir sprechen über die Anfänge seiner Zeit als Schiedsrichter, als es in West-Berlin noch über 20 Militärmannschaften gab, die einen regelmäßigen Spielbetrieb unterhielten. Seine nächste Station spannt von 1993 bis 2006 als er international als Schiedsrichter tätig war. Nach 2006 ist Bernd aber weiterhin dem Rugby treu geblieben und war weltweit bei World Rugby für mehr als ein Jahrzehnt dafür verantwortlich Schiedsrichter auszubilden, Programme zu entwickeln und beratend zur Seite zu stehen. Wirklich ein gutes Beispiel dafür wie viel man dem Sport zurückgeben kann, auch ohne als Spieler aktiv zu sein! Donal und Georg haben Bernd's Geschichten wie ein Schwamm aufgesogen ;) Viel Spaß

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Transkript

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0:14 Ja, hallo, herzlich willkommen zu unserer neuesten Ausgabe der Podcast Vorpass. Wir haben was Besonderes heute für euch vorbereitet. Nicht nur ist Big G am Start, sondern Big G hat in seiner Freizeit ein very special guest room organisiert. Big G, wen haben wir heute am Start? Ja, Bernd ist heute bei uns. Und Bernd kenne ich gar nicht persönlich, leider, sondern nur über einen Freund, eines Freundes. Und der war, glaube ich, mit Bernds Tochter zusammen. Wow. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Und ich glaube, ich habe in meinem WhatsApp mal Werbung gemacht für unseren Podcast. Und dann hat er mich an der Freund des Freundes, hat mich darauf angesprochen, ob wir nicht mal Bernd interviewen wollen.

0:57 und Bernd hat eine sehr schöne, interessante Referee-Karriere schon hinter sich und ist immer noch dabei und er hat bestimmt spannende Sachen zu erzählen und sollte hier in den Podcast kommen und hat dankenswerterweise die Einladung angenommen, also herzlich willkommen Bernd. Ja, vielen Dank euch. Ja, schön, dass du da bist auf jeden Fall und schön, dass George sich so vorstellen könnte, also ich weiß nicht, ob jemand da mitverfolgt hat, die Verbindung, aber es ist auf jeden Fall schön, dass du auch bei uns im Start bist. Was ist quasi kannst du uns noch ein bisschen kurz abholen, wie du zum Thema Schießrichter gekommen bist vielleicht steigen wir einfach dort direkt ein also ich glaube einige Leute kennen dich schon aus der Schießrichter Szene würde man sagen, oder?

1:45 Ja, ich glaube ein paar kennen mich noch, aber wie das so ist und wie das auch Greber gesagt hat also es vergehen eben ein paar Jahre und dann ist man von voll drin, voll raus so ist das eben im Sport Und so ist das immer in den verschiedenen Stadien, glaube ich. Also ich habe ja, das ist jetzt wirklich 50 Jahre her und kommt einem sehr komisch vor, das so zu sagen, vor 50 Jahren angefangen, Rakte zu spielen. Und habe an sich während dieser Schülerzeit auch immer schon ausgeholfen, so als Schieds- und Linienrichter. Und irgendwie fand ich das immer gut. Aus irgendwelchen Gründen, weil ich mich dafür wahnsinnig interessiert habe. Und das einzige Raktebuch, was ich hatte, eben das Regelbuch war, war ich dann da so ein bisschen der Experte, was diese Sachen angeht.

2:23 und bin dann schon in ganz frühen Jahren von meinen Trainern gefragt worden, wie bestimmte Sachen funktionieren, was die Regeln angeht. Und habe da eben sehr früh angefangen, Spiele zu halten, auch ohne jede Ausbildung einfach gemacht. Und das hat mir auch immer Spaß gemacht von Anfang an. Formal ging das dann los, so ich würde sagen, als ich 20 war oder so, wo man dann richtige Spiele gefunden hat. Und wo du 20 warst, welches Jahr war das dann? Das war so die Zeit 81, 82. Das fällt zusammen mit der Gründung der Berliner Schiedsrichtervereinigung. Und die hat viel zu tun mit dem Rugby, wie es damals in Berlin war. Wir hatten ja die Alliierten damals, die Rugby, insbesondere die Engländer, die Rugby sehr, sehr groß hier in Berlin aufgebaut hatten.

3:18 Und die hatten eine Armee-Schiedsrichtervereinigung. Es stand alles aus englischen Offizieren und da gab es so drei, vier deutsche Mitglieder. Und das war aus mehreren Gründen spannend. Einmal, weil da nur Englisch gesprochen wurde. Zweitens, weil es Armee war und man mit so einem kleinen Besuchsausweis in die ganzen Armee-Einrichtungen rein konnte. und weil man natürlich eine andere Kultur da kennengelernt hat, was eben das Funktionieren von Strukturen und auch ein bisschen Rondung und Gehorsam so ausgemacht hat. Also sehr strenges Protokoll, da wurde alles protokolliert, fängt immer pünktlich an. Das war eine besondere Atmosphäre, vor allen Dingen als Student der FU damals mit längeren Haaren etc. kann ich das lustig, da mit den Offizieren rumzumachen.

4:13 1981 immer noch kalter Krieg, muss man sagen. Naja, das sind bis 1989, bis zur Maueröffnung, das war das Besondere, waren ja diese Truppen, die in Berlin waren, nur Elite-Truppen, weil, obwohl nie was passiert ist, aus politischen Gründen, man immer gesagt hat, das ist ein Hotspot. und Elite-Truppe in der Armee heißt erstklassige Rugby-Mannschaft. Die Rage Gards waren hier, die Royal Fusiliers, die British Air Force hatte zeitweise drei Mannschaften, wo in der ersten Mannschaft so Leute gespielt haben, ich weiß das noch, Dave Henner, der hat für Schottland B gespielt, mal so von der Kategorie her und die haben die deutschen Mannschaften regelmäßig sehr hoch geschlagen. Haben die dann haben die am normalen Ligaspielbetrieb teilgenommen oder haben die so in Indien immer gespielt?

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5:06 Die haben den Ligaspielbetrieb organisiert und wir hatten ungefähr 25 Mannschaften, die jedes Wochenende gespielt haben. 25 Mannschaften und wie viele davon waren jetzt aus Kasernen? Ungefähr, ich würde sagen 20 Armeemannschaften, wobei es eine französische Mannschaft gab und eine amerikanische und der Rest waren alles englische Mannschaften. Okay. Und dann eben die Westberliner Vereine, das war BRC, Siemens, BSV, BSC. Okay, krass. Und du sagst, die hatten natürlich keine Chance, wenn da Leute aus Schottlands B-Mannschaft ausgelaufen sind. Nee, es gab Mannschaften, gegen die hat man einfach nicht gewonnen. Das war Royal Air Force erste Mannschaft. Ich habe ja dann auch noch gespielt in dieser Zeit und wir hatten mit dem BRC-Intergrad in die Bundesliga aufgestiegen und haben trotzdem 50-0 verloren.

5:48 Das war so die Kategorie. Aber dann gab es ja viele andere Mannschaften von Versorgungsregimentern oder so, da hat man gute Spiele gehabt. Aber es war immer super hart, weil wir hatten immer das Gefühl, dass die lieber am Montag im Krankenhaus waren, als wieder in irgendeinem Dienst. Und dieses Wechseln dann auf die andere Seite als jüngster Schiedsrichter überhaupt da und dann auf einmal mit so einer Pfeife zwischen den gleichen Leuten stehen, war natürlich eine besondere persönliche Herausforderung. Kannst du dich an dein erstes Spiel erinnern oder irgendwelche kritischen Situationen? Was ist so, wenn du sagst, ich meine, du hast schon von früher von ein bisschen kleiner auf angefangen, vielleicht zu pfeifen, aber gab es da irgendwelche Momente, wo du sagst, da erinnere ich mich heute noch dran zurück oder so?

6:32 Naja, ich meine wirklich, was ich mich erinnern kann, ich habe damals noch nicht Buch geführt über die Spiele, aber ich habe 1980, glaube ich, oder auch 1981 mal das Berliner Endspiel gepfiffen, weil der Schiedsrichter nicht gekommen ist. Also so eine klassische Geschichte. Ich stand da eben rum und dann ist Peter Welsch, der damals, war damals der Präsident vom Berliner Wackdelverband zu mir gekommen, hat gesagt, hey, du pfeilst doch immer so rum, kannst du das nicht machen, ihr werdet es hier ausfallen lassen. Das muss man sich vorstellen noch. Das war Siemens gegen BSV damals und das war Jungfernheide, weiß ich noch. Aber mehr Zuschauer waren, glaube ich, nie in der Jungfernheide. Voll, rundum gestellt voll und Riesenaufmerksamkeit und alles die ehemaligen Nationalspieler von Siemensstadt oder so.

7:19 Da wusste man gar nicht, wie einem geschieht. Also wahrscheinlich habe ich da einen Fehler nach dem anderen gemacht oder so, aber das hat damals noch nicht so eine Rolle gespielt, weil die Spieler haben einfach gespielt und man hat dazwischen gefällt. So hat man ja das damals gemacht. Aber das war, kann ich mich erinnern, besonders herausfordernd. Okay, krass. Vorbereitung, so ein Spiel zu pfeifen, wo lauter damals für mich Legenden gespielt haben. Aber alle, die ich respektvoll behandelt, nie ein schlechtes Wort gefallen? Naja, das ist eine schöne Legende aber das gab es genauso wie heute gab es da auch ich will jetzt nicht sagen Anfeindungen, aber ich habe es immer so unterschieden ich habe nie so ein Problem gehabt mit Dingen, die auf dem Platz passiert sind wenn man einen Versuch nicht gibt, wo der Spieler meint, der hat den Versuch regulär erzielt und sagt dann, nee, war kein Versuch, weil, und dann, dass der Spieler dann sauer ist, oder so hatte ich immer Verständnis für, dafür habe ich ja lange genug gespielt.

8:26 Was ich nie gemocht habe, sind die Dinge, die nach dem Spiel passiert sind, oder dann nächste Woche wieder vor dem Spiel, noch viel schlimmer. Da habe ich eine Aversion gegen gehabt, und ich habe auch die Leute gehasst, die in diese Richtung gearbeitet haben, das waren natürlich auch immer die gleichen, und in so einem kleinen Verband ist das eben schwierig. Okay, ja. Das habe ich nie gemocht und konnte ich auch in späteren Jahren in anderen Rollen nie unbedingt richtig was aufbringen. Okay, also damals war nicht alles besser, wenn man was sagt. Nein, auf keinen Fall. Die Ausbildung gab es quasi nicht. Ich habe vier Lager dann gefliffen, ohne dass einer zugeguckt hat, der von Schiedsrichter Ahnung hatte.

9:06 Also, ja, ich habe damals in Melbourne auch Schiedsrichterausbildung gemacht. Beim ersten Spiel wurde mir gleich jemand an die Hand gestellt. Von Anfang an. Und ich durfte auch gar nicht auf dem Platz, ohne voll irgendwelche Kurse besucht zu haben. Genau. Und so ist das ja heute auch. Und das ist alles viel besser geworden. Ja, ist ja klar. Aber die besseren Geschichten kann man von früher erzählen. Die dritte Halbzeit auch, oder? Unbedingt. Unbedingt. Und das waren immer die Geschichten mit den Mannschaften, wo dann auch ein Respekt gewachsen ist über die Zeit. Kann man wahrscheinlich heute auch nicht, würde man nicht mehr so machen. Aber ich kann mich erinnern, ich habe einmal mit Portugal eine super Feier gemacht als die.

9:54 Da habe ich mal Portugal Rumänien gefilmt und da hat Portugal das allererste Mal gegen Rumänien gewonnen. Und war dann hinterher von denen eingeladen abends, weil die uns aber nicht aus diesem Spiel heraus alleine, sondern weil es sehr viel zu feiern gab und die gesagt haben, hey, wir kennen dich so lange, kommst du einfach mit. solche Geschichten habe ich immer gemocht, ja ich war mal bei Victoria zu einer Feier eingeladen, nachdem ich da jahrelang Endspiele gegriffen habe, wo die entweder verloren oder gewonnen hatten aber das waren so Zeichen von Respekt, die sich dann ergeben haben und dann vorsichtig gefragt wurde, ich war da nie scheu, aus heute her, würde man sagen, oh Werei ist politische Korrektheit und so da muss man vorsichtig sein, aber das schätzt man eben ein in der Situation und gehört irgendwie auch dazu oder hat immer Dazugehörungen zum Sport.

10:41 Ja, klar. Ich kenne auch einen Ref aus München, der ist bei allen drei Vereinen hier relativ beliebt und kommt auch mit allen gut aus und wird auch privat eingeladen. Ich kenne ihn auch, ich kannte auch schon vor dem Rugby München, bevor ich hierher gekommen bin, auch schon sehr gut. Kann ich nur bestätigen, dass es schön ist, sowas zu sehen. Dann waren die 80er, also 81 hast du schon gesagt und dann sind noch ein paar Jahre vergangen bis zum Mauerfall. Also ich nehme an, du hast dann noch weiter Berliner Liga gepfiffen. Ja, das habe ich bis zum Schluss gemacht, natürlich. Das ist, finde ich, ein großer Reiz gewesen, dieser Wechsel zwischen der internationalen Karriere und dem zurück sozusagen back to the roots hier in Berlin.

11:27 Was ja auch, weil die Leute natürlich, diese Spieler in dieser kleinen Community natürlich auch meine größten Unterstützer waren. also wenn man heute auf dem Sportplatz ist und alte Herren sich treffen, dann erkennt man die immer noch wieder oder die erkennen mich wieder im Gegensatz zu den Jungen und ich weiß noch ich bin wiedergekommen mal das war 97, da habe ich WM gefiffen in Hongkong, 7er WM die damals auch im Fernsehen übertragen wurde, also eine haben mich gesehen und so fand das ganz toll, nächsten Samstag war ich auf dem habe ich ein Spiel gefiffen in der Volkenbergstraße, ich weiß nicht mehr wer das war BSV gegen irgendjemand und nach irgendeinem wo einer durchwindet am Ball dreht sich so ein BSV-Spieler um und sagt zu mir na ist ja toll, du pfeifst hier in Hongkong rum und bei der Weltmeisterschaft, aber hier kannst du nicht mal einen Vorwurf sehen und das ist ja so eine Art Rugby-Respekt, wie man ihn sich wünscht also ich hätte mich da schlapplachen können, kann man dann auch nicht als Schiedsrichter in dem Moment so gehört sich das ja also die Realität ist irgendwie, wie man in Dortmund sagt immer auf dem Platz das gilt natürlich für so eine Sache auch Lass uns mal ganz kurz Pause machen bevor wir dann, ich möchte mal einen Schritt zurückspringen, was dann nach dem im Wandel von den 80ern zu den 90ern passiert ist, also liebe Zuhörer und Zuhörerinnen bleibt bitte dran bei

12:51 VORPASS Welcome back, Teil 2, wir sind mit Bernd Gabay, wir sprechen über quasi sein Laufband von den letzten sehr vielen Jahren Bernd, du hast schon ein bisschen den Anfangs, uns ein bisschen was dazu erzählt. Vielleicht lass uns eher jetzt zum Ende der 80er kommen und ein bisschen George Wurt auch so ein bisschen Richtung internationaler zu gehen. Vielleicht erzählst du uns, wie du hast oder wo du überhaupt warst in der Welt oder wie es dazu gekommen ist. Ja, wo ich war in der Welt, ist wirklich weit, das kann ich sagen. Ich habe die, also wenn ich meine Manager und meine Schiedsrichter-Karriere zusammen packe, war ich glaube ich in fast 70 Ländern mit Rugby unterwegs. Insofern, das war auf jeden Fall mal weit.

13:40 Angefangen, glaube ich, ist das so, wie das anfängt. Also man macht sich irgendwie einen Namen in seinem eigenen Verband. Und dann wird man zu einem europäischen Sichtungslehrgang geschickt. Ich hieß das mal früher, wo die Länder zusammengekommen sind, die dann ihre Schiedsrichter dahin geschickt haben, um ein oder zwei aus jedem Land. Und dann kriegt man so einen Einsatz, seinen ersten. Und da splittet sich das dann schon ein bisschen, weil da kann man sich da nicht zu viele Fehler leisten. Das heißt, wenn man seinen ersten Einsatz gut macht, kriegt man seinen zweiten. Und dann geht das so weiter. Immer gestreckt über Jahre, weil das war dann, zu der Zeit waren das wenige Länderspiele, die wir hatten.

14:22 Ich habe 1993 mein erstes Länderspiel gefunden. und dann musste ich eben auch ein Jahr warten, bis man das nächste hat. Ein Jahr, okay. Naja, die wurden damals für eine Saison angesetzt und ein Neuling hat ein Spiel bekommen, das war schon mehr als andere hatten. Im nächsten Jahr sind es dann eben zwei und dann kommen Turniere dazu und dann kennen mehr Leute deinen Namen und dann musst du eben sehen, wie du mit Spielen, die man auch dazwischen hat, die mal nicht so gut sind, wie dann die Leute damit umgehen, weil das war alles nicht transparent, so wie es heute ist. Da wurden Berichte geschrieben, aber die hat man nie selber bekommen. Also da gab es noch sogenannte Selection Committees. Die haben dann ausgesucht, wer wieder irgendwo hinfährt.

15:07 Hatte ich ein bisschen noch Mauscheleien? Naja, das haben wir immer so gefunden, auf jeden Fall. Auch wenn es vielleicht gar nicht so war, aber ja, Selection Committee. Und es gibt Berichte, die keiner liest. Anfang der 90er, ja. Ja, da gab es auch Leute, die haben sich bemüht, da sehr objektiv zu sein und so, aber grundsätzlich war das ein bisschen eine Blackbox und ich weiß, diese Spiele, die sind immer rausgegeben worden, ich glaube, damals waren es so knapp 50 Spiele, die in Europa stattgefunden haben, unterhalb der Six Nations, wie die dann verteilt worden sind. Dann hat man die durchgesucht und seinen Namen auch gesucht. Und dann haben sie telefoniert mit seinen Kollegen und gehört, was die so machen.

15:45 Weil die komplette, dass man dann die komplette Liste zusammen hat. Wie ist da der Prozess? Also du hast gesagt, wann war es? 93 oder 92 dein erstes Länderspiel? Ja, 93. Und das war Litauen gegen? Ne, das war als Schiedsrichter das erste Länderspiel war Niederlande gegen Israel. Niederlande gegen Israel. Und wie war da der Prozess? Also du hast gesagt, oder wer hat dir eigentlich wann mitgeteilt, dass du das dann da pfeifen wirst? Da hat man damals noch einen Fax bekommen. Einen Fax? Für die zu? Es gibt Leute, das nicht zu kauft. Was ist das Ding? Was ist ein Fax? Okay. Also das war wirklich so, meine Familie lacht da heute noch drüber, wenn wir aus dem Urlaub gekommen sind oder so. Das war die Faxrolle alle und das ganze Wohnzimmer war mit so einer Thermopapierrolle ausgelegt.

16:31 Nein. Weil es gab ja nur Fax und es war schon besser als die Briefe, die man bekommen hat. Also meistens sind die Informationen in Hannover in der Geschäftsstelle zusammengelaufen und dann haben die das weitergeleitet. Das ist immer über einen Verband gegangen, das hat man damals nicht direkt bekommen. Ah, okay. Also über den Deutschen Rugbyverband. Genau, das ist immer nach Hannover gegangen und die haben das dann weitergeschickt. Okay. Und dann bist du in die Niederlande gefahren zu dem Spiel. Ja, das war wieder, also ich muss sagen, ich hatte immer ein bisschen Glück auch bei den Sachen, aber es war auch immer so, dass ich vom Typ her ein bisschen so ein Wettkampftyp bin. Das heißt, ich habe in den Spielen, wo es wichtig war, meistens gute Leistungen gehabt.

17:18 Und ich hatte Kollegen, die waren genauso gut wie ich von ihren Grundfertigkeiten alt, aber die haben in den guten Spielen meistens ihre schlechtesten Spiele abgelegt. Und dann wird es international eben nichts. Und ich habe da in Niederlanden einen guten Eindruck hinterlassen. Und der Turnierleiter, das war damals ein Qualifikationsturnier für die WM, für die WM 95, und der Turnierleiter war der Vorsitzende vom Rugby-Weltverband, oder von der Rugby World Cup Firma, Rugby World Cup Limited, der auch später François Quinal den Pokal überreicht hat in diesem berühmten Foto. Ach, der war bei dem Spiel da in den Niederlanden. Der war der Turnierleiter von diesem kleinen Turnier in den Niederlanden.

18:01 Und der hat mich dann direkt nach dem Turnier als Lienrichter angesetzt für Spanien gegen Wales. und das lag daran, dass Spanien die beste kontinentaleuropäische Mannschaft war und Wales hatte das Sechs-Nationen-Turnier gewonnen oder Fünf-Nationen-Turnier gewonnen und die mussten so ein Proforma-Quali-Spiel austragen und da war ich linierisch, das war natürlich super in Madrid tippitoppi alles und hab da auch sozusagen fehlerfrei agiert und dann hieß es auf einmal, ja der hat ja schon einen CV, also den kann man jetzt schon einsetzen, weil der hat ja schon Erfahrung Ja, ja. nur noch gute Spiele gekriegt. Also nicht mehr sowas wie Bulgarien gegen uns sehen, sondern Portugal, Rumänien habe ich glaube ich fünfmal gepfiffen oder so. So in dieser Kategorie eben. Georgien, in Georgien gepfiffen und Russland gepfiffen und diese Spiele.

19:28 Also auch in einer sozusagen zwei Spielklassen höher, als Deutschland damals gespielt hat, was ja außergewöhnlich war. Du warst einfach so anscheinend die richtigen Leute immer beeindruckt oder du hast immer die richtige Stelle dann letzten Endes oder die war. Ich meine, ihr habt ja auch so gefragt, wie das heute ist und ich glaube, heute ist es gar nicht so viel anders. Ich habe sehr, sehr viel, also ich habe versucht, neben meinem Beruf und meiner Familie das quasi professionell zu machen, also meine gesamte Zeit da reinzugehen, mich jeden Tag damit zu beschäftigen, fit zu sein, auf dem nicht mehr vergleichbar, wie die Schiedsrichter heute fit sind, aber auf einem Niveau, wo mir nie einer nachsagen konnte, dass meine Fitness nicht stimmt.

20:12 Ich wusste immer am besten über die Regeln Bescheid. Also diese Grundvoraussetzung habe ich mir gedacht, das kann keiner, der aus Neuseeland kommt, besser. Die können alle Rugby besser, aber die können nicht die Regeln besser und die dürfen nicht viel fitter sein. Und man muss sich da benehmen in diesem Kreis. Und die Standards eben kennen. So ist das eben. Und so ist das glaube ich heute auch noch ein bisschen. Naja und dann ging das da weiter. Dann habe ich 2000 das Six Nations Endspiel der Frauen gefliffen, was auch so ein absoluter Klassiker, weil Imlandtag in Frankreich in Paris abends vor 5000 Zuschauern unter Flutlicht in der letzten Sekunde das Spiel gewonnen hat und so. und dann kennen mehr Leute deinen Namen und dann geht das eben immer so weiter.

21:06 Und das habe ich dann noch bis 2006 gemacht und 2006 habe ich dann gesagt, ich bin zu alt und kann diese Fitnessanforderungen mit 45 oder so, da war ich so satt, habe gesagt, ich will jetzt abtreten in einem Moment, würdevollen Moment. Naja, ich habe da das Europameisterschaftsendspiel im Siebener geführt in Spanien, Spanien, Portugal und habe nach dem Spiel gesagt, das war es. Okay. Und das war cool. Also ich habe mir das nicht angetan, da wieder einen langen Weg oder auch bitter zu werden, weil sich irgendeiner nicht mehr aufstellt, weil er nicht mehr schnell genug ist oder so. Ich wollte das mal selber entscheiden. Du hast schon gesagt, 2000 das Endspiel der Frauen-Six-Nation. Und 97 warst du auch noch in Tokio, Singapur?

21:55 In Hongkong war damals die. In Hongkong. Die Siegner-WM. Und das war sicherlich auch ein Highlight, oder? Ja, das war lange Zeit, also vom Pfeifen her muss man sagen. Mit den Highlights ist ja so eine Sache. Also eure Fragen haben mich da natürlich auch nochmal stimuliert nachzudenken. Aber was die Aufmerksamkeit angeht, kann man natürlich sagen, ist das ein Highlight, wenn man da in so einem Stadion, ich weiß nicht, die Spiele waren da vielleicht nicht ausverkauft, wo ich geklitten habe, aber 30.000, 40.000 Zuschauer da aufläuft in so einem heiligen Stadion. Das war immer mein alleroberstes Ziel, einmal in Hongkong zu pfeifen. Und als es dann bei einer WM war, das war natürlich super. Fantastisches Überlebnis.

22:32 Okay. Das sind dann schon 13 Jahre, 93 bis 2006, 13 Jahre, oder? Ja, ja, das ist dann eine lange Zeit. Ich war ja zu dieser Zeit auch, da waren Schiedsrichter noch nicht so jung für heute. Ich war knapp über 30, als ich mein erstes Länderspiel gegriffen habe und alle Kollegen, mit denen ich gefirrt war, waren 40. Also ich war 10 Jahre jünger als alle anderen. Aus heutiger Sicht ist das ja anders. Da sind die ja viel, viel jünger, weil sie früher anfangen und besser ausgebildet werden. Wie hast du denn das die ganze Zeit, du hast schon gesagt Job, Familie, du warst beim Berliner Senat angestellt und auch in einer Position, die, wie ich mir vorstelle, ein bisschen fordernd ist. War das denn, es muss doch ein ganz schöner Spagat gewesen sein.

23:19 Ja, das fand ich immer als Vorteil, das ist vielleicht auch ein Grund, warum ich mich nie für den Wechsel interessiert habe. Ich habe das immer als Vorteil begriffen und hatte immer Vorgesetzte, die das voll verstanden haben, dass das richtig ist. Also ich hatte nie, ich will Ihnen nicht sagen, aber es passt nie, Probleme freizukriegen für irgendwas. Okay. Weil das kam ja auch immer kurzfristig. Du hast manchmal, ich weiß noch einmal, habe ich eine Einladung gehabt zu den, wie hieß das, Cobra Tens nach Malaysia. Die Einladung kam an einem Montagabend mit Abflug am Donnerstagabend. Wahrscheinlich, weil denen irgendein Schiedsrichter ausgefallen ist oder so, haben die rumtelefoniert oder so. Und da habe ich immer Ja gesagt.

23:58 Und dann habe ich den nächsten Tag zu meinem Chef gesagt, nächste Mal bin ich da, da bin ich in Kuala Lumpur. Da hat er gesagt, ja, kriegen wir irgendwie hin. Das ist ja Wahnsinn. Das fand ich immer gut, natürlich. Und dann arrangiert man sich darum herum. Ich habe dann meine Urlaubstage eben dafür verbraten. Es haben da meine Töchter drunter gelitten. Naja, ist ja so. Das sind die auch und scherzen wir heute drüber. Aber es ist dann eben so. Okay, gut, gut. gibt es in der gesamten Zeitspanne, ich weiß nicht, ob man das auch so einfach beantworten kann, aber haben dir da jemals irgendwie so die Knie geschlottert oder so, oder war das eigentlich immer so, ich kenne hier die Regeln am besten, ich bin super darauf vorbereitet, deswegen habe ich zwar nötigen Respekt, aber mir schlottern jetzt nicht die Knie vor irgendwelchen Mannschaften oder so, oder vor irgendwelchen Stadien, wo viele Leute sind.

24:49 Also viele Leute fand ich immer nur geil. Ich habe mich null Neurwärts gemacht. Absolut null. Ich fand es viel viel schlimmer hier in Berlin, wenn da 20 Zuschauer waren und man kannte jeden Einzelnen. Und hatte so eine Art Bringschuld, da auch die gleiche Leistung zu bringen. Das fand ich viel, viel schwieriger und in der Tat sind die, ihr habt jetzt gesagt, Hongkong als großes Erlebnis, aber ich kann sagen, ich habe acht deutsche Finals gegriffen und das waren die Spiele, wo ich richtig nervös war, kann ich mich an jedes Einzelnen erinnern, wo ich morgens richtig nervös war. Man kannte alle Spieler, Ich habe mit vielen von den Spielern ja selber Jugendnationalmannschaft gespielt. Und über die Jahre aus der Bundesliga kannte man die alle.

25:33 Und alle wollten einen guten Tag sagen oder hinterher einen Kommentar haben. Die fand ich besonders herausfordernd und habe mich am meisten nervös gemacht. Nicht die Länderspiele, wenn du irgendwo in Russland bist. Das läuft dann schon. Oder bei den großen Turnieren mit Zuschauern. Das fand ich auch immer super. Aber diese Deutschland-Sachen habe ich immer nervös gemacht. Okay, ja krass interessant. Ja stimmt, macht Sinn, wenn man drüber nachdenkt. Ja, also die kennen dich alle und ja, ich fand das auch immer eine besondere Verpflichtung, weil viele ja doch, viele haben immer drauf geguckt, ja der pfeift ja die Länderspiele oder so und ja, da muss man aber die Leistung bringen in der vollen Mitte bei Handschüssheim oder so.

26:16 Die Erwartungen sind dann hoch von den Leuten, wenn der Big Boss da ist. Aber das ist ja auch eine Herausforderung. Also ich habe das immer am meisten geliebt bei den ganzen Schiedsrichtern, die Herausforderungen. Du hast ja relativ so eine große Bannbreite von, wir haben ja angefangen mit so Rugby in Berlin und sind halt so weltweit gegangen. Wenn wir jetzt so ein bisschen zurück auf Deutschland bringen, du weißt jetzt so ein bisschen der Zustand vom deutschen Rugby jetzt. wie hast du so quasi die Entwicklung wahrgenommen von deiner Anfangszeit als Spieler und auch dann jetzt als Zuschauer oder als aktiver Fan hat? Wie hast du den Verlauf innerhalb Deutschlands von Rugby erlebt sozusagen? Naja, das ist jetzt eine schwierige Frage. Wir brauchen wahrscheinlich mehrere Stunden.

27:07 Wir müssen jetzt versuchen... Ist okay, wir haben ja stundenlang. Wie ich das übereinander kriege. Also für mich war der, gerade wenn man so in Berlin dann war und immer weit fahren musste auch zu den Spielen, für mich war Rack wie Deutschland immer die Heimat und ich habe immer ja auch eine Funktionärslaufbahn gehabt oder so, ich war mal für die Finanzen im DAV zuständig zu Zeiten, wo es auch nicht viel besser aussah als jetzt und war mal Vizepräsident von DAV mehrere Jahre und so und das habe ich so nebenbei gemacht, weil ich auch eine Verpflichtung da im Kunden habe, da was zu machen und der DAV besteht aus den Vereinen und da gibt es so eine Tautologie, die man sagen kann, ein Verein ist ein Verein und so ist der DRK auch heute noch.

27:52 Und dann gibt es Nationalmannschaften da drum herum. Und alle wünschen sich eine starke Nationalmannschaft und keiner will so richtig was dafür tun. Das ist, finde ich, die bittere Wahrheit. Hat sich, glaube ich, noch mehr verstärkt, dadurch, dass wir in so einer Konsumgesellschaft sind, die eben solche Sachen auch alle nur konsumiert und sich dann wundert, wenn die sozusagen angebotene Leistung ausbleibt. Dann schaltet man seinen Stream wieder aus und das ist es dann. Also, wo du es da sagen darfst? Wir hatten in den 80er Jahren Länderspiele in Hannover, wurden hier oft ausgetragen, immer mit 4000 Zuschauern, 4000, 5000 Zuschauern, wo alle aus ganz Bergbiedeutsch mit Bussen hingefahren sind.

28:36 Das ist ein gesellschaftlicher Wandel, das ist dann auch einfach so, wie es ist. auch. Sind die Vereine oder sind die Leute eher so auf sich konzentriert oder auf deren eigenen Sachen und gucken nicht auf das Gesamtheit, weil das was du ein bisschen ansprichst, so mit, genau, also ich kenne das auch mit Bussen irgendwo hinfahren zu unterstützen, aber das kennt man heutzutage halt nicht mehr, oder zumindest nicht in Deutschland, dass wenn so ein Auswärtsspiel das gehen hat, nicht so viele Fans hat mit, das ist eher so die lokale Sachen dann letzten Endes. Und vielleicht ist das ja gut so, also ich will gar nicht sagen, dass das früher besser war oder so, sondern es war einfach anders, weil man auch keine Möglichkeit hatte, die im Fernsehen natürlich zu sehen, weil wir auch ein Video streamen und so, das mag ja auch eine Rolle spielen, aber die Vereine kümmern sich in aller erster Linie um sich als Verein und das war an sich auch schon immer so, wenn es um wichtige Entscheidungen geht, die ganze Struktur, Radbietage und ähnliche Geschichten und vielleicht ist das auch richtig so in dem Amateurverband, wo die Vereine ja letztendlich fast alle Vereine ums Überleben kämpfen, außer den paar, die ein bisschen besser gestellt sind.

29:41 Deswegen, ich halte auch nichts von diesen ganzen Versprechern, die da einrücken und sagen, das ist ja, make German Rugby great again oder so im Witz. Naja, das ist ja so. Also diese Heilsversprecher der letzten Jahre, die da als Präsidenten einrücken oder so, ich kann das nicht ertragen und ich gehe da auch nicht mehr hin zu diesen Veranstaltungen. es ist wahrscheinlich im Sport so das kennt man ja auch in anderen Sportverbänden dass die jetzige Generation der Funktionäre von der nächsten Generation oder von der vorherigen Generation eben nichts lernen wird, sondern alle diese Erfahrung nochmal machen will ist ja gleich auch so, ist ja eben nicht professionell, ist eben so ein Mischmasch und dann wollen alle das nochmal machen, aber die Fehler sind ja alle schon mal gemacht worden Wir machen kurz eine Pause und dann reden wir über die Funktionärtsache auf jeden Fall, also über deine und generell Deutschland weiter würde ich sagen. Dann bleibt dran bei Vorpass.

30:42 Brian Jones, Gründer der Rolling Stones, liegt tot in seinem Swimmingpool. Offiziell ist es ein Unglücksfall, doch dann tauchen Zweifel auf. Neue Aussagen, ein Mordverdacht und Jahrzehnte später sogar ein angebliches Geständnis. Plötzlich scheint klar zu sein, was in dieser Nacht passiert ist. Nur gibt es da ein Problem? Je genauer die Geschichte wird, desto weniger lässt sich davon wirklich beweisen. Brian Jones, die Wahrheit versinkt im Pool jetzt bei Tatort Musik überall, wo es Podcasts gibt. Ja, wir sind wieder da und Teil 3 geht es halt weiter. Big G, willst du halt gleich die nächste Frage einleiten für uns? Ja, danke, danke Donal. Genau, 2007, du hast gesagt, du hast nach dem Finale aufgehört.

31:29 Aber du bist natürlich dem Rugby, du warst vorher schon in mehreren Funktionen zuständig und bist danach natürlich auch dem Rugby-Sport treu geblieben. Was waren da die nächsten Funktionen, die du auch auf internationaler Ebene dann ausgefüllt hast? Ja, also nachdem man sozusagen die Pfeifferanlage dahinter, ich dachte wirklich, ich mache mal ein halbes Jahr was ganz anderes. Ich wollte mich auch beruflich vorbilden, nochmal Dissertationen machen und so. Und alles so eine Sache. und das ist alles so in meinem Kopf, hat es konkurriert, bis ich zwei Wochen im Juni dann da, zwei Wochen nachdem ich aufgehört hatte, sozusagen offiziell mich World Rugby, damals noch International Rugby Board, angesprochen hat, gesagt hat, wir suchen hier jemanden, der die Schiedsrichterausbildung weltweit betreut, Unterlagen und sowas herstellt, hast du Lust dazu?

32:17 Weltweit? Ja. Das ist eine große Ehre gefragt. Das war ja sozusagen weltweit, das heißt jetzt nicht, dass man alles macht, aber sozusagen Pläne dafür und Strategien entwickelt. Darum geht es ja. Natürlich nicht die Ausbildung selber machen, das müssen ja die Länder machen. Und das hat ungefähr, glaube ich, so zwei Stunden gedauert, dann wusste ich, dass ich das machen wollte. Und bin dann wieder zeitlich an sich noch mehr eingestiegen, als ich als Überschussrichter unterwegs war. Und die DISS war dann aus dem Fenster. Ja. Ja. Genau. Aber das, muss ich sagen, hat mir dann nochmal besondere Freude gemacht, weil da hatte ich sozusagen, was Rollenklarheit angeht und Sicherheit auch, war ich mir hundertprozentig sicher, dass das das Richtige war, weil ich hatte dann zu dem Zeitpunkt eben so eine lange Rugby- und Schiedsrichter-Erfahrung und hatte auch so viel schlechte Ausbildung erlebt und immer eine Idee, wie das besser sein könnte und konnte das sozusagen voll ausleben.

33:15 Und das habe ich jetzt, das habe ich dann, bin ich immer noch ein bisschen aktiv, aber reduziert, aber das habe ich dann bis 2016, eben bis zur Olympiade, dann der volle Schwor gemacht, also auch nochmal fast zehn Jahre. Ja, also erstmal denke ich, ist es eine große Ehre, gefragt zu werden, oder? Denke ich mir so. Das ist zumindest sehr ungewöhnlich, weil ich bis heute da der Einzige bin, der aus dem, einer der ganz wenigen, muss man sagen, kann man jetzt sagen, die aus diesen kleinen Rugby-Ländern gekommen war, weil alle Kollegen von mir, also der für die Coach-Ausbildung zuständig war, war ein Neuseeländer, der für die Ausbildung zuständig war, kam vom englischen Verband oder so. Also das waren alles Leute, die ich auch so eher aus Büchern kannte und die aus den großen Rugbyländern gekommen sind.

34:01 Und das war schon spannend. Hat dich da jemand schief angeguckt? Ja, natürlich, selbstverständlich, gruselig. Nach dem Motto, ja, sag mal, spielt ihr überhaupt Rugby in Deutschland oder so? Lieblingsfrage. Okay. Und das selbst von Leuten, wo ich sagen würde, naja, die haben vielleicht schon ein bisschen mehr Ahnung und global haben die jetzt vielleicht schon ein bisschen mehr als ihre Top-10-Nationen-Brille auf oder so. Aber wenig mehr. Okay. Man muss sich das vorstellen, dass World Rugby, man kann sagen, das hat sich ein bisschen geändert in den letzten Jahren, aber ich würde auch nur sagen ein bisschen und auch sehe ich auf dem Papier. aber es gibt so einen Spruch von einem argentinischen Freund von mir, der heißt da, das ist eine BMW-Welt.

34:50 Und der ist sehr wahr, der Spruch. Also das ist alles, was nicht britisch, was nicht weiß und was nicht männlich ist, ist erstmal zweite Kategorie. So einfach ist das. Okay. Das ist ja, da kommen jetzt neue Leute rein, aber das Gedankengut wird ja immer über Generationen übernommen. Es dauert lange, bis das aufgebraucht wird, ja. Ja, guck dir an, wie Entscheidungen getroffen werden zugunsten welcher Länder und so. Das bleibt immer verharrt in den sechs Nationen, die einen unheimlichen Druck auf Weltrakte haben. und für sich eben Eingaben sichern wollen und meiner Ansicht nach, ich kann das heute sagen, weil ich da nicht mehr involviert bin so richtig, aber das sind, was Entwicklungsinteresse angeht, sind das viele Lippenbekenntnisse.

35:38 Die wollen ihre Märkte sichern und die brauchen Gegner bei einer WM. Unterhalb der WM interessiert sich keiner dafür. Genau, ich glaube, das haben wir Don und ich auch schon oft aus dem, alle reden immer Georgien, Chance verdienen, Six Nations, es hat ja kein Mensch in den Six Nations hat Interesse daran, dass Georgien das spielt, weil die kein Geld bringen, oder? Auch wenn es sportlich sehr viel Sinn machen würde, Auf- und Abstieg, aber... Es geht um CV-Rechte, dann um die in der ersten Linie. Ich sage euch mal ein Beispiel, was ich, also ich fand nicht immer lustig, aber es hat sich auch tragisch. Ich hatte ein Etat von, in den Jahren so 2012 oder so, hatte ich so ein Etat von 50.000 Pfund ungefähr für meine Entwicklungsprogramme und für die Ausbildung.

36:22 Nur mal als Größenordnung. Mit dem konnte ich so wirtschaften. Und die Tier-1-Nationen haben dann ein Meeting veranstaltet in Marcosy, in dem französischen Präzis-Camp, wo die aus der ganzen Welt berühmte Spieler eingeflogen haben und Journalisten, um ihren neuen Gedrängeprozess zu verkaufen, der da eingeführt wurde. Und dieses Meeting alleine hat, glaube ich, 80.000 Pfund gekostet. Ein Wochenende für nur Unsinn. und das sind so die Größenordnungen in denen da Geld ausgegeben wird und das zeigt natürlich eine Prioritätensetzung auf und da konnte immer gesagt werden, ja wir investieren ja wir haben dein Budget auch wieder erhöht aber die Verhältnisse stimmen da eben nicht stimmen überhaupt gar nicht da würde ich gerne nochmal also wenn man ein bisschen mehr auf Detailebene kurz runter geht, auch nicht jetzt zu lange aber also in den 13 Jahren Du hattest dann ein Budget und warst für die Ausbildung zuständig von anderen Schiedsrichtern in einem sogenannten Tier-2-Bracket?

37:30 Das ist so, je nachdem, wie man das fasst, aber man kann sagen, das ist Tier-2. Und es gab verschiedene Aufgaben. Die eine waren, diese Ausbildungsprogramme zu entwickeln. Das sind insgesamt fünf Programme, die heute etabliert sind und wir heute eben nur noch die Programme ein bisschen umsetzen. Das ist das Einzige, was ich auch noch ein bisschen mache. Und dann ging es darum, die Verbindung herzustellen zwischen diesen Tier-2-Nationen und dem Performance-Area. Also wie kriege ich, also beispielsweise, wie kriege ich einen georgischen Schiedsrichter zu einer U20-BM, dass der so gut ist, dass er da treiben kann. Wie kriege ich einen Fidschi-Schiedsrichter aus einem Siemerland auch mal zu einer Siemer-BM?

38:15 Und hier kriege ich jemanden aus Kenia, die auch da in Afrika, Kontinentalafrika führen sind, auch mal zu einer U20-WM. Und das war meine, ich habe diese U20-WMs als Manager betreut, also in einer Rolle. Also die Schiedsrichter dann vor Ort mit denen gearbeitet, aber auch den Passway vorbereitet, dass die in der Lage waren, da auch eine vernünftige Leistung abzulegen. Okay, okay. Und eben bei den Frauen genau das Gleiche. Also ich habe dann die Frauen-WM 2010 und 2014 eigenverantwortlich betreut als Schiedsrichtermännischer, aber war auch für deren Entwicklung zuständig. Das hatte man damals dem Entwicklungsbereich zugeordnet, weil es gepasst hat aus vielen Gründen. Gab es da eine, was war die größte Nuss, die es zu knacken gab aus deiner Sicht?

39:04 Neben der schon angesprochenen Diskrepanz zwischen Tier 1 und Tier 2. Also auf das ist man Tatsache immer wieder gestoßen. Ich weiß noch, mein erstes Meeting mit den Six Nations, wo man um Spiele und Ressourcen verhandelt hat, wo die mich eiskalt haben abblitzen lassen. Nach dem Motto, warum sollen wir ein Interesse haben, dass eine spanische Schiedsrichterin hier bleibt. Das ist ja so. Und wer bezahlt das eigentlich? Und so weiter und so weiter. Also das waren so die Anfänge. Ich glaube aber letztendlich war die, das konnte man ja überwinden, indem man dann Vertrauen aufgebaut hat und ein paar Jahre später hatte man mit den meisten Verbänden eine gute Zusammenarbeit mit den großen Verbänden.

39:44 Aber die richtige Aufgabe sind, glaube ich, die nationalen Verbände, die ich nie geknackt habe. Also das würde ich heute anders machen. machen. Also die selber sozusagen mit ihren geringen Ressourcen, Deutschland ist ja da auch ein Beispiel für, wo sie kein Geld ausgeben wollen für Entwicklung, sondern ihr Geld immer in die Nationalmannschaften stecken. Immer Männer, auch Nationalmannschaft. Ich kann dir auch dazu, ich will nicht zu viele Storys erzählen, aber ein bisschen ist ja auch dafür da die Zeit. Es gab, könnt ihr euch erinnern, als Argentinien 2007 gespielt hat er ein Dritter geworden ist bei der WM. Leider, also ihr müsst das zu deutlich erinnern. Ja. Also 2007, Argentinien wird Dritter, die fahren nach Hause und der Manager von den Argentinien, der Trainingmanager, mit dem ich damals zusammengearbeitet habe, Eliseo, geht zum Verband und sagt, so jetzt brauchen wir noch mehr Geld für Entwicklung, dass wir bei der nächsten WM noch besser werden.

40:38 Und da sagt der Präsident vom Argentinischen Verband zu ihm, wieso, wir sind doch gerade Dritter geworden, du kriegst gar kein Geld mehr, wir sind doch da. Und ich finde, das ist so eine schöne Geschichte, das habe ich immer wieder erlebt, immer wieder. Immer wieder von Neuem in ganz unterschiedlichen Ländern, von USA über Samoa, über Hongkong, also über alle Länder, mit denen man so zu tun hat, hat man das wieder erlebt. Und das ist irgendwie frustrierend, dass man das nicht aufknacken kann, dass die Länder verstehen, dass das auch Teil ihrer Aufgabe ist, in diese Bereiche zu investieren. Okay, krass, vollkommen länderunabhängig, aber immer dasselbe Pattern da. interessant zu hören. Die Nationalmannschaft fliegt dann Business Class statt Economy Class und das Geld ist weg.

41:25 Ja, klar. Das sind auf einmal ein paar Zehntausend Euro mehr. Ja, also es geht ruckzuck und die Entscheidungswege in solchen Verbänden, auch im DAV, sind da immer eindeutig. Weil die Leute, die ja im DAV dann, also die dann aus den Vereinen irgendwie raus sind und im DAV arbeiten oder auch in anderen Verbänden, die sind ja dann auf einmal, fühlen sich auf einmal zuständig für die Nationalmannschaften. Das ist ja sozusagen deren Mannschaft. Und dann haben die auf einmal ein Etat. Und dann geben sie das Geld auch raus. Also nichts ist einfacher, als ein Etat zu verprassen. Okay. Aber ob das für das Gesamt, wenn man Rugby nach vorne bringen will, der richtige Weg ist, wage ich eben stark zu Bezweifeln.

42:04 Ja, wenn man auf die letzten 10, 20, 30 Jahre guckt, sind da starke Zweifel angebracht. Vergangenheit, Lernen. Dann hat man Mannschaften, das haben ja auch alle diese Länder, das hatten wir auch, Mannschaften, die Nationalmannschaften, wo bestimmte Jahrgänge aus der Jugend kommen, die dominieren für 10 Jahre oder so, wo man richtig, richtig gut ist. Die Holländer hatten das, die Tschechen waren an dieser Stelle. Und wenn diese Mannschaft dann wegbricht, da hast du gar nichts mehr. Die haben den gesamten Etat gebraucht, jahrelang. So eine Koldner-Generation und dann steht man leer. Ja, und die großen Länder haben das natürlich nicht so krass. Die verlieren dann mal ein Spiel mehr, aber die bleiben natürlich immer, die haben natürlich ein System dahinter.

42:50 Die Großzuländer haben ja so ein Fließband, von Spielen, die nah nachkommen. Die Portugal, das Land, wo ich die meisten Länderspiele gepfiffen habe mit denen, die ich auch zehn Jahre lang begleitet habe immer und das gesehen habe, ich habe immer die gleichen Spieler gepfiffen. Und dann sind die alt geworden und dann war es Schluss. Dann waren die weg. Dann hat World Rugby das Interesse verloren, hat denen kein Geld mehr gegeben und die völlig zusammengebrochen. Die mussten dann wieder langsam aufbauen, Wir sind jetzt wieder auf dem guten Weg. Und dann kann wieder dasselbe passieren. Wenn du jetzt einen Hebel drehen könntest, um alles zu ändern und gut zu machen, was wäre das denn? Da bin ich nie rangekommen.

43:26 Das ist wirklich der Hebel. Der Hebel ist das Geld, was World Rugby den Verbänden gibt. Das muss man den Verbänden nicht geben, damit sie eventuell mal ein Qualifikationsspiel gewinnen, sondern man muss langfristig strategische Ziele festlegen und auch überprüfen. Und das hat World Rugby auch etwas aufgegeben, würde ich mal vorsichtig sagen. Da gab es mal ein System, das besser war, das betreibt man jetzt nicht mehr. Ah, okay. Ich glaube, man muss es messen, eben nicht, ob Deutschland jetzt gegen Kanada so ein Spiel mal gewinnt oder nicht, sondern man muss es daran messen, wie viele Trainerlizenzen sind da, wie viele Schiedsrichter sind da, wie viele Jugendspieler sind da in den verschiedenen Klassen, wie viele Frauen gibt es und so weiter.

44:07 und so weiter. Okay, ja, einfache KPIs, was man in jedem BWL-Studium, sag ich mal so. Ja, aber breit gestreut, nicht KPIs, die nur auf die Nationalmannschaft bezogen sind, sondern breit gestreut sind. Okay, ja, macht Sinn, verstehe ich sofort. Zwei Themen hätte ich noch, einmal rote Karten generell, die Entwicklung in den letzten Jahren und nochmal Rugby Deutschland generell. Meine Frage zieht so ein bisschen darauf ab, wenn man früher guckt, so vor 10, 20, 30 Jahren, mein Empfinden war, so rote Karten gab es, wenn Leute sich wirklich in die Fresse gehauen haben. Oder auch nicht mal dann immer. Oder noch nicht mal dann, wirkliche Tätlichkeiten oder mit den Schuhen irgendwie beim Ruck rein in den Rücken und so oder aufs Gesicht und jetzt gibt es Leute, die sagen, the game has gone soft, jetzt gibt es immer rote Karten, am Wochenende halt auch oder vor anderthalb Wochen zwei rote Karten im Spiel All Blacks Wallabies und es gibt halt Leute, die sagen, ja, zu viele Rudikaten und das Spiel ist nicht mehr das, was es vor x Jahren war. Da sieht man ja Facebook-Kommentare von irgendwelchen Leuten.

45:15 Was würdest du denen so entgegnen? Am liebsten würde ich mit denen nicht reden, weil das anstrengend. Das sind ja oft Co-Kommentatoren oder Journalisten, die früher auf sehr hohem Niveau gespielt haben und sich dann äußern. Da muss man natürlich in den Ländern gucken, was die auch für ein Ansehen in den Ländern haben und die da involviert sind in das moderne Rugby. Ich habe teilgenommen an sehr, sehr vielen Besprechungen, Six Nations Meetings, wo ich als Zuhörer dabei war. Das hat mir World Rugby immer ermöglicht, auch bei den großen Jungs zuzuhören, obwohl ich da keine Aufgaben hatte. Ich kann mich erinnern, wir hatten ein Meeting mit den, das muss man warnen, 2014 Six Nations Meeting mit den Swarm Coaches, wo über schmutziges Spiel in der ersten Reihe gesprochen wurde, weil zu dem in diesem Jahr Wales so unheimlich viele Straffitte bekommen hat.

46:10 Und da gibt es Einigkeit, also da macht der Schiedsrichtermanager, Joel Jütsch war das zu dieser Zeit aus Frankreich, der legt mit den Coaches zusammen die Linie fest. Der denkt sich das ja nicht selber aus, der sagt ja nicht zu den Schiedsrichtern, jetzt gib mal gelbe und rote Karten. Diese Rulings, die dann gemacht werden, die sind ja in Harmonie mit den Trainern gemacht, mit den Headcoaches. Wir haben mit Steve Grenzen darüber geredet. Wir haben mit allen Headcoaches immer über diese Sachen geredet bei diesen Meetings. Dass dann eine Entscheidung auf dem Platz kritisiert wird, das ist ja normal. Aber ich glaube, man muss sich über eine Linie verständigen und die Linie heißt hier Sicherheit, weil die also gerade diese Schultercharges, die jetzt auch zu der einen roten Karte, die zweite habe ich nicht gesehen, zu der einen roten Karte gegen Neuseeland geführt haben, da kann ich nur sagen, das ist eine richtige rote Karte technisch.

47:02 Kontakt. Die Spieler haben so eine Wucht, dass sie mit so einer Aktion ihren Gegenüber mindestens sehr schwer verletzen können, nämlich mehr. Und die Spieler sind Profis und die sind auch so gut ausgewählt, dass sie so nicht tacklen müssen. Ja, den Punkt haben ein paar. Das kommt ja auch dazu. Und die Trainer würden sagen, dass auch in solchen Meetings es so ist, dass sie sich gegenüber der Presse anders äußern. Das mag ja auch manchmal so sein. Aber die guten Spieler sind da auch vorsichtig. Ich habe da auch Trainer in unterschiedlichen Rollen und verschiedenen Situationen gesehen. Das ist nochmal eine ganz andere Kategorie, glaube ich. Das ist der professionelle Sport, wo die auch verschiedene Rollenbilder bedienen.

47:47 Steve Henson oder wie der Neue jetzt heißt, die können nicht dem New Zealand Herald gegenübertreten und sagen, die rote Karte war gerechtfertigt. Ja, drinnen und draußen, außen und innen. Aber wenn man mit denen redet oder so, dann sagen die, wenn wir kein saures Spiel haben, stoppt das Spiel. ein Toter bei einer Radbiewerm oder so, dann könnt ihr das Radbiew beerdigen. Ja. Und die Leute, dagegen muss man, man muss das erhalten, obwohl es so physikalisch ist, dass manche Leute gar nicht mehr zugucken können. Das kann man nur erhalten, aus meiner Sicht, wenn man ganz, ganz hart durchgreift, auch bei diesen Faulspiels, wo eben ältere Generationen sagen, ja, früher habe ich den Rücken getreten und hat auch nichts gemacht.

48:26 Also, ja, hat vielleicht nichts gemacht, aber ich habe auch zu meiner Zeit so schwere Verletzungen gesehen auf dem Platz, sowohl als Spieler, als auch als Schiedsrichter, dass ich daran gar nicht mehr denken möchte und sehr vorbezogelig würde. Ja. Also, was haben wir für ein Ziel ist da die Frage, ne? Und wenn Trautspiel ein Charakter ist oder so, dann ist das nicht mehr mein Sport, der ich sofort aufhören. Ja. Aber ich schätze das sehr oft, ihr habt ja recht, ich lese das ja auch. Mhm. Ja, du hast den Punkt eigentlich gemacht, die Leute sind hochprofessionell und bezahlt und können eigentlich tiefer tacklen zum Beispiel. Ja, und das ist dann ein technischer Fehler, der dann bestraft wird mit einer roten Karte.

49:04 Das ist dann so. Wenn es jetzt auch eine für Australien, eine für Neuseeland, dann ist es auch eins zu eins. Da hat es auch nicht so ganze Spiels-Sport, wie die in der Neuseeländischen Zeitung geschrieben haben. Ja, Neuseeländische Zeitung Media ist, glaube ich, schlimmer als deutscher Fußballweiner. Ich meine, wenn ich da in der Regel Änderungen machen würde, würde ich eher die gelben Karten angucken. Inwiefern? Also naja, weil du sagen kannst, und das habe ich immer mit vielen Kollegen auch besprochen, wenn du auf dem Platz stehst und siehst ein Paul-Spiel, ich habe auch viele rote Karten gegeben, glaube ich, und war da eher schnell, weil ich das nie gemocht habe mit dem Paul-Spiel, aber du hast an sich eine sofortige, klare Sichtweise, das ist rot.

49:47 Also das geht wie so ein Schalter an und sagt, das war jetzt genau zu viel. Während bei den gelben Karten, das kann man sich so als so ein Kontinuum vorstellen, wo du sagst, naja, muss ich jetzt gelb geben, reicht nochmal ein Straftritt oder so. Also da verstehe ich, dass das Publikum das nicht richtig zusammenkriegt, dass es dafür eine gelbe Karte gab und dafür nicht. Aber eine rote Karte ist, finde ich, da ist eine Schranke überschritten, wo man sagt, und deswegen haben wir das Protokoll, es ist mit der Schulter, es ist ohne Armeinsatz, es ist mit Kraft und es ist gegen den Kopf rot. Wir hatten ja letzte Woche so ein bisschen auch darüber gesprochen, also dieses Stufen von gelb bis rot, also irgendwie sehr, also das sind Welten wahrscheinlich zwischen gelb und rot, also wie du auch gesagt hast, gelb kann irgendwie so ein ganz leichtes sein, aber rot ist irgendwie so sehr eindeutig.

50:40 Vielleicht braucht man, also wir hatten schon ein bisschen letzte Woche philosophiert, Es gibt dieses Thema, diese orange Karte, was hat jetzt irgendwie, glaube ich mal, in Neuseeland erstmal vorgeschlagen wurde. So ein bisschen so eine Zwischenstufe für so eine wie eine rote Karte für die Person, aber dass der Mannschaft wieder aufstocken könnte. Das ist irgendwie so Zwischenstufen, weil also ich weiß halt nicht, gelbe Karte ist irgendwie so. Man hat ja gesehen in einem Spiel mit Irland und Frankreich, also am Ende kann eine gelbe Karte, man kann es halt aushalten. Am Unterzahl vor 10 Minuten hält man das halt schon aus. Aber im Unterzahl vor 70 Minuten ist schon eine andere Sache. Ja, wir haben es versucht mal statistisch auszuwerten über eine große Anzahl von Spielen.

51:24 Und man kann es statistisch nicht zeigen, dass es einen Effekt hat in diesen 10 Minuten. Das kannst du ja messen. Du kannst ja einfach mal in der Fallen mehr Punkte oder andere Punkte untersucht haben und das hat es nicht. Aber es gibt natürlich einen Effekt, weil diese Kraftanstrengung in den 10 Minuten eventuell Kraft kostet aus den anderen Minuten. Also insofern kann man es dann nicht mehr nachweisen. Das ist ein Langzeitschaden. Ja. Und wenn das mehrere gelbe Karten sind und das immer 10 Minuten sind, also es gibt ja auch Ideen, sozusagen nochmal anders damit umzugehen, eine weiße Karte einzuführen. Das gab es auch mal irgendwo, wo man sagt, eine technische gelbe Karte ist was anderes als eine gelbe Karte für Brutalität.

52:07 so was gibt es ja auch ich finde da kann man mehr experimentieren, ich finde aber Platzverweise das ist auch in jedem Sport so, die sind notwendig wenn eine Grenze überschritten ist und diese Grenze muss man definieren, sonst kann man sie auch nicht überschreiten das hat sich ja geändert auch und das ist jetzt ein bisschen runtergefahren worden, weil man weil der Sport die weltweite Verbreitung hat und in manchen Ländern man sich das gar nicht vorstellen kann, wie schwere Verletzungen im Fernsehen was gibt, was Auswirkungen hätten. Ja. Kann man sich das nicht vorstellen. Was meinst du, was wir bei Olympia da gesessen haben, weil jeder mal in den Spieler liegen geblieben ist und gedacht hat, hoffentlich geht es den gut und er steht wieder auf und er bringt uns ein schönes Bild rüber.

52:49 Weil der da im Publikum nochmal hatte, was natürlich mit Rugby war nicht zu tun hatte. Mehr, größer und unerfahrener in Bezug auf Rugby. Gut. Danke dir, Bernd, wir wollen hier nicht zu viel deiner Zeit klauen. eine letzte, vorletzte Frage vielleicht noch. Ich bin da komplett blauäugig, ich denke mal Donal auch, wie immer. Rugby-Schiedsrichterwesen in Deutschland. Ich habe gar keine Ahnung, was momentan der Status Quo ist und wo man dann überhaupt hin will. Ja, also die drei Ahnung, das heilt jetzt sehr. Ja, bei mir hat es eben auch gehalten, aber jetzt ist es wieder weg, glaube ich. Die Details weiß ich dann auch nicht mehr so ganz informiert wie vor ein paar Jahren noch. Grundsätzlich, was ich glaube, was sehr positiv ist, dass wir sehr, sehr viele Schiedsrichter haben und sich viele auf den Weg gemacht haben, auch eben außerhalb von Heidelberg und Hannover und Berlin und die Sachen ausprobieren und ein bisschen Spaß daran entdecken.

53:55 Das ist auf jeden Fall sehr, sehr positiv. Für die Westen-Schiedsrichter in Deutschland hat das, was der DAV tun kann, auch ein relatives Ende irgendwann, sondern da ist dann gefragt, wie will ich mich als Individuum weiterentwickeln und will ich den Anforderungen, die dann gelten, um heute in die Weltspitze zu kommen, will ich da mitmachen oder will ich einfach nur teilnehmen und mal ins Ausland fahren, mal einen Einsatz haben und da mitmachen. Und diese Entscheidung muss ja jeder Einzelne treffen. Wir haben ein Ausbildungssystem heute, was wir halten uns ja an das standardisierte Ausbildungssystem, was World Rugby gemacht hat, was viele Länder einsetzen und ich glaube das funktioniert alles recht gut. Da kann man immer mehr Leute gebrauchen oder so, aber im Verhältnis zum, also das steht nicht schlechter oder besser da als das rakut dasteht in Deutschland. Das passt an sich ganz gut.

54:53 Okay, das ist ja dann schon mal positiv. Ja klar, macht Sinn, was du sagst. Irgendwann muss man sich entscheiden, wie professionell man selber das Ganze wahrnehmen will. Gibt es da gerade Leute, die da oben schon stehen oder so? Naja, es gibt ein paar Leute, die im Einsatz sind hier zum Beispiel in der Sieben-Europameisterschaft oder solche Geschichten. Also hier aus Berlin sind das Leute wie Joshua Jan aus Potsdam oder Matern, der ein Franzose, der seit ein paar Jahren in Berlin ist und da im Siemerzirkus mitmachen kann, weil er gute Leistungen bringt. Also da gibt es, das ist schon gut, aber die nächste Stufe ist eine ganz andere Kategorie und ich halte es kaum noch für möglich, dass man das heute als Amateur machen kann.

55:44 Ah, okay. Es geht dann in ein Vollzeittraining. Ich muss diese Fitnessstandards zu erfüllen und die Reisestandards zu erfüllen, muss ich volle Verfügbarkeit über meine Zeit haben. Oder ein Chef, der große Verständnis zeigt, wie bei dir. Ja, aber das geht dann darüber hinaus. Wir haben es mal ausgerechnet, die Frauen, die ja auch, jetzt haben ein paar von denen einen Profikontrakt, aber zu der Zeit, als ich mit denen gearbeitet habe, waren das noch so Leistungsamateure oder so, aber wir hatten die, glaube ich, in dem einen Jahr, brauchten die 100 Tage in dem Jahr vor der WM. 100 Tage, okay. Wenn man im Siemer und im 15er Aktiv sein wollte und wenn man alle Veranstaltungen mitgenommen hat. Und das ist dann eben nur möglich, wenn man irgendwie, ja, wenn man sich arrangiert mit allem. Aber das kann man nicht machen, wenn man gleichzeitig noch viele andere Sachen machen will.

56:41 Nee, das wird nicht gehen. Weil die großen Länder, weil man konkurriert ja dann, ich glaube Neuseeland hat jetzt, die haben zwölf Profischützmächter oder sowas, konkurriert ja dann sozusagen mit der Nummer zwölf mindestens in Neuseeland und dann muss man irgendwie, wie will man das machen, wenn man hier im deutschen Radbüro nur unterwegs ist. Das würde nicht gehen, die Qualität der Spiele, man muss ja auch irgendwann qualitätsmäßig hohe Spiele pfeifen. Genau, da muss man ja irgendwie hinkommen. Ich habe das auch in meiner Zeit auch mal organisiert, ich war mal zwei Wochen in Kanada für ein persönliches Trainingslager oder so bei Freunden gewohnt und so. Das machen ja alle auch so ein bisschen, aber wenn man das richtig machen will, dann hat man das ein bisschen.

57:23 Ich halte das heute für sehr, sehr schwer, da an der Stufe weiterzukommen als Racken-Jurop. Okay. Um in den World Racken-Zirkus reinzukommen. Das ist ganz, ganz wenigen gelungen. Das ist Paulo Duarte aus Portugal gelungen, der das quasi in einem Vollzeitjob macht, aber in Portugal natürlich am Rande seiner Existenz rumgräbelt. Und das ist Alhambra Nivas aus Spanien gelungen, die auch arbeitslos war zu der Zeit, als sie die Rakte-Karriere da entdeckt hat, oder die Fizik der Karriere. Okay, krass. Sie hat jetzt eine Anstellung gefunden hat bei WorldWag P und da sozusagen mit anderen Aufgaben ausgerüstet wurde. Aber das sind die einzigen beiden, die das in den letzten Jahren geschafft haben, die nicht aus CX Nelchens oder Kleinations kommen.

58:09 Okay, das sind nicht viele. Das ist ein bisschen dünn, ja. Aber das, ich sage mal, das muss ja nicht das einzige Ziel sein. Man kann ja viel Spaß haben und eine tolle Karriere und eine tolle Spielermassung, wenn man eben Niveau da runterbleibt. Ich muss bloß zu den Zielen müssen eben zu dem passen, was man da investiert. Letzte Frage. Wie schaust du denn noch jetzt Rugby und bist involviert? Wenig. Okay. Weil ich viele 15er-Spiele als super langweilig empfinde. Okay. Also ich bin dafür nur schwer begeistert. Ich muss allerdings sagen, dass ich jetzt wieder die letzten ein paar Spiele, die da ein bisschen Interesse gefunden haben, aber ich gucke fast alle Simmer-Turniere, die World Series, als es die noch gab, vor Covid-19.

58:58 Mein Herz hängt dann doch einen Tick mehr am Simmer, muss ich sagen. Und das gucke ich gerne und da kenne ich auch, das ist ja so, da kenne ich noch viele Leute und das macht dann, macht das irgendwie dann noch leichter zu gucken, wenn man Leute kennt. Aber das ist dieses, also ich bin kein Fan vom europäischen 15er angeboten. Ich kann nicht in der Englischen Liga oder so, kann ich kein ganzes Spiel gucken. Ja, das geht mir genauso. Tut mir leid. Nee, nee, das ist okay. Das kannst du ruhig sagen. Ja, ist ja einfach so. Also wir gucken das schon, aber nicht mehr mit dem Heißhunger, mit dem man es vorher geguckt hat. Ja, das wäre für mich, ich bin auch mit Südhemisphäre sozialisiert und also weder auf Clubebene, also auf Clubebene eigentlich schon gar nicht.

59:46 Da kann ich einfach nicht mitfiebern. Also wenn die Spiele manchmal ein bisschen dürr sind, auch ich habe da wenig emotionalen Bezug zu. Aber gut, das ist bei anderen vielleicht ganz anders. Ja, ist ja so. Es ist immer noch ein geiler Sport. Ich glaube, Rugby ist eben ein Sport für die Leute, die auf dem Platz sind. Also es ist einfach so. Keiner kann ermessen, was man in der dritten Liga oder so für den Spaß auf dem Platz hat. Wenn man das von außen anguckt, es ist furchtbar, es regnet. Es ist kalt und geht nicht nur nach Hause. aber die Spieler auf dem Platz haben Spaß und es ist ein geiler Sport. Ja, das sind schöne Abschlussworte. Ja, kann ich auch. Ja, danke. Ja, ich danke euch. Wenn du noch irgendwas mitgeben willst, jetzt ist die Zeit.

1:00:34 Jetzt oder nie. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich freue mich wieder, das mal wieder live zu sehen unter normalen Bedingungen. Ich hoffe, dass wir da spätestens im nächsten Sommer wieder hinkommen. Das hoffen wir auch, wenn Vorpass unsere Live-Video-YouTube-Kanal starten. Ne, Donne? Ja, so ist es ganz genau. Okay. Dann verabschieden wir uns mal. Alles klar, Jungs, gerne, ja? Danke dir. Bis dann bei Vorpass. Bis nächstes Mal bei Vorpass.