Finalrevanche, Spitzenspiel, Feiertag: Das Duell am 4. Spieltag der Rugby-Bundesliga hatte alles, was ein Topspiel braucht. Am 3. Oktober um 16 Uhr trafen auf dem Heidelberger Museumsplatz der Tabellenerste und der Dritte aufeinander, zwei Mannschaften, die sich in- und auswendig kennen.
Neuenheim antwortet auf Frankfurts Blitzstart
Bei bestem Rugbywetter erwischten die Gäste den besseren Start und schnürten Neuenheim früh in der eigenen Hälfte ein. Nach mehreren Phasen Druck führte Frankfurt einen Straftritt schnell aus und fand die Lücke zum ersten Versuch des Nachmittags. Die Erhöhung saß zum 0:7. Neuenheim schlug beinahe postwendend zurück. Nach einem starken Gassenspiel war der Ausgleich zum Greifen nah, doch der Schiedsrichter konnte nicht erkennen, ob der Ball am Boden lag: kein Versuch. Auch danach verteidigten die Gastgeber leidenschaftlich, ein hartes Tackling folgte dem nächsten. Einen Straftritt gaben sie dennoch ab, und Kapitän Leo John Wolf schob ihn knapp über die Stange zum 0:10.
Dann kippte die Partie. Nach einer verlorenen Frankfurter Gasse befreite sich Neuenheim per Kick und nahm die Einladung an: Ein feiner Chip-Kick, Nikolai Klewinghaus-Hacker war zur Stelle, 5:10. Frankfurt wankte, fiel aber zunächst nicht. Einen sehenswerten Neuenheimer Crosskick entschärfte ein rettendes Tackling in höchster Not, auch weil der Ball für die Gastgeber unglücklich sprang. Dem Druck des Neuenheimer Sturms hielt die Gästeabwehr auf Dauer aber nicht stand. Agustin Aversa glich zum 10:10 aus, die Erhöhung ging daneben. Kurz vor der Pause tauchte Klewinghaus-Hacker ganz außen links auf, legte seinen zweiten Versuch und erhöhte selbst zum 17:10-Halbzeitstand.
Frankfurt dreht die Partie
Frankfurt kam mit 14 Mann aus der Kabine, weil Oliver Paine mit dem Halbzeitpfiff Gelb gesehen hatte. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Die Gäste tauchten mehrfach gefährlich vor dem Neuenheimer Malfeld auf, doch ein beherztes Tackling verhinderte den sicher geglaubten Versuch. Dann verloren die Gastgeber die Disziplin. Henning Brockmann (53.) und Enrich Bulow (58.) mussten mit Gelb vom Platz, zeitweise stand Neuenheim nur mit 13 Spielern auf dem Feld. Frankfurt bestrafte das eiskalt. Über ein starkes Gedränge und harte Arbeit an den Kontaktpunkten schob sich der Frankfurter Sturm bis unter die Stangen. Die Erhöhung brachte das 17:17, ein Spiel auf Messers Schneide. Klewinghaus-Hacker hatte die erneute Führung per Straftritt auf dem Fuß, verfehlte aber das Ziel. Es sollte der Wendepunkt sein.
In der Schlussphase diktierte Frankfurt das Geschehen. Nach einem dominanten Gedränge löste sich Nummer 8 Kobe Atamu Anitelea vom Ende des Gedränges und legte den entscheidenden Versuch zum 22:17-Endstand. Mit dem Schlusspfiff sah der eingewechselte Markus Niebel noch Rot. Neuenheim darf sich einen über weite Strecken überzeugenden Sturm zugutehalten. Den Unterschied machte Frankfurts Effizienz in der entscheidenden Phase. Das letzte Wort zwischen beiden ist in diesem Jahr ohnehin nicht gesprochen: Ein Duell steht noch aus, und wer weiß, vielleicht treffen sie sich auch wieder im Finale.
Punkte
SC Neuenheim: Versuche: Klewinghaus-Hacker (2), Aversa. Erhöhung: Klewinghaus-Hacker
SC Frankfurt 1880: Versuche: Anitelea, Zymvragos (2). Erhöhungen: Stella, Paine. Straftritt: L. Wolf.
